Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen: Worum geht es?

Die Diskussion um „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ bewegt die Menschen in Berlin seit Jahren – und viele Mieter:innen fragen sich: Würde eine Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände wirklich zur Entspannung des Berliner Wohnungsmarktes beitragen? Wir erklären kompakt die wichtigsten Punkte.

Blick über Berlin. Der Fernsehturm und Hochhäuser mit Grün

Worum geht es der Enteignungsinitiative? 

Die HOWOGE ist eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, das heißt, die von uns bewirtschafteten Wohnungen wären nicht betroffen. Ziel von „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ ist es, die Wohnungsbestände großer privater Wohnungsunternehmen (ab der 3.001. Wohnung) gegen eine Entschädigungszahlung in die öffentliche Hand zu überführen. Das Versprechen der Initiative: Durch die Enteignung könnten die Mieten in Berlin begrenzt oder sogar abgesenkt und der Wohnungsmarkt entspannt werden. 

Werden die Mietpreise dadurch tatsächlich günstiger? 

Der Wechsel von privatem in öffentliches Eigentum verändert die Eigentumsverhältnisse – aber nicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch öffentliche Wohnungsunternehmen müssen steigende Kosten für Instandhaltung, Modernisierung und Neubau stemmen. Zudem würden für eine Vergesellschaftung je nach Modell hohe Entschädigungszahlungen anfallen, die aus den Mieten refinanziert werden müssten. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, dass Mieten durch eine Vergesellschaftung sinken würden. 

Entstehen durch Vergesellschaftung mehr neue Wohnungen in Berlin? 

Nein – durch eine Vergesellschaftung entsteht keine einzige neue Wohnung. Es würden lediglich bereits vorhandene, vermietete Wohnungen in öffentliches Eigentum überführt. Wenn nicht gleichzeitig mehr neu gebaut wird, bleibt der Wohnungsmangel in Berlin weiter bestehen. Menschen, die in Berlin eine Wohnung suchen, stünden weiterhin vor der Herausforderung des knappen Wohnungsangebots in der Hauptstadt. 

Wer zahlt eigentlich, wenn es zu einer Vergesellschaftung käme? 

Die Kosten trägt das Land Berlin – und damit letztlich die Allgemeinheit. Je nach Modell geht man von zweistelligen Milliardenbeträgen aus. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle – etwa für Schulen, Infrastruktur oder den Neubau von Wohnungen. Auch die HOWOGE ist darauf angewiesen, Fördermittel vom Land Berlin zu erhalten, um bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Zur Veranschaulichung: Je eine Milliarde Euro könnten etwa 4.760 Wohnungen* neu gebaut werden. 

Was kann den Berliner Wohnungsmarkt langfristig entlasten? 

Investitionen in den Neubau erhöhen das Wohnungsangebot – und können damit langfristig den Druck auf dem Wohnungsmarkt verringern. Deshalb ist der Neubau in Berlin so wichtig. Damit dieser schneller vorangeht, sind insbesondere einfachere Planungsprozesse, ausreichend Flächen und vor allem verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten sowie Förderprogramme des Landes Berlin entscheidend.   *Bei angenommenen Baukosten i.H.v. 3.500 Euro pro Quadratmeter und einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 60 Quadratmetern.

*Bei angenommenen Baukosten i.H.v. 3.500 Euro pro Quadratmeter und einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 60 Quadratmetern.

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