Das Café Sidamo in Berlin-Lichterfelde ist beliebt in der Nachbarschaft. Von hier aus soll bald ganz Deutschland mit äthiopischem Brot versorgt werden.
Als Blen Baheru, Gewerbemieterin der HOWOGE, uns die Tür zu ihrem ‚Kiez-Café‘ in der Thermometersiedlung in Lichterfelde öffnet, fühlt es sich sofort vertraut an. Das Café Sidamo ist wie ein Wohnzimmer, die Atmosphäre warm und locker, die Gespräche herzlich. Und wer wie wir das Gefühl hat, Blen von irgendwoher zu kennen, mag durchaus richtig liegen. Denn mit gerade einmal 16 Jahren stand die junge Berlinerin bereits auf der ganz großen Bühne und verzauberte nicht nur Sarah Connor mit ihrer Stimme. „Schon auf dem Schulhof sollte ich immer für alle singen“, erzählt Blen und erinnert sich an ihren TV-Auftritt bei X Factor im Jahr 2012. Und doch entscheidet sie sich für einen anderen Berufsweg.
„Es ist mein Traum“
Als Tochter eines Äthiopiers wächst Blen in Prenzlauer Berg auf, wo ihr Vater schon früh eines der ersten äthiopischen Restaurants in Berlin führt. „Ich kenne keinen besseren Koch als meinen Vater“, schwärmt die Berlinerin. Da liegt es nahe, dass sie nach der Schule nicht nur eine Ausbildung zur Restauranfachfrau, sondern auch eine zweite zur Köchin abschließt.
Mit ihrem Vater teilt sie die Leidenschaft für äthiopische Küche und ganz besonders für Injera, den Hauptbestandteil äthiopischer Mahlzeiten. Dass es den gesunden Sauerteigfladen in Berlin kaum irgendwo zu kaufen gibt, bringt Blen schließlich auf eine Idee. Sie möchte Injera in Deutschland verfügbar machen, professionell hergestellt und im ganz großen Stil. „Das Projekt hat mich gefunden, es ist mein Traum.“
6.000 Jahre alte Esskultur
Wenn Blen über Injera spricht, geht es ihr um mehr als nur ‚Brot backen‘. „Es macht gesund“, sagt sie. Grund dafür sei das Teffmehl (Zwerghirse). „Es gilt als kleinstes Korn der Welt und ist reich an Mineralstoffen“, erklärt Blen weiter. Mit Wasser angereichert entsteht daraus ein Teig, der traditionell über mehrere Tage fermentiert und dadurch seinen typisch säuerlichen Geschmack entwickelt. Anschließend wird er auf heißen Tonplatten ausgebacken und dabei nicht gewendet. Am Ende entsteht ein Fladen mit luftig-löchriger Struktur, der vegan, gluten- und laktosefrei ist und damit für einen großen Teil der Bevölkerung wohl bekömmlich. Doch obwohl Injera in Äthiopien und Eritrea seit mindestens 6.000 Jahren fester Bestandteil der Esskultur ist, kennt hierzulande kaum jemand den bekömmlichen Fladen. Das möchte Blen nun ändern.
Eine Backmaschine für Deutschland
Mit einer eigens von ihr konzipierten Injera-Backmaschine will Blen Injera im großen Stil herstellen und auf dem deutschen Markt bekannt machen. Bis zu 6.000 Brote am Tag könne sie mit der Maschine backen, erklärt sie. Diese steht bereits in den Räumen ihres Cafés. Damit der Prozess ins Laufen kommt, sucht Blen aktuell noch Investoren. Bis dahin kocht sie diverse Leckereien für die Nachbarschaft in Lichterfelde: Jeden Freitag gibt es im Café Sidamo (nach Voranmeldung) einen frischen, saisonalen Mittagstisch – auf Wunsch auch vegetarisch und immer mit ganz viel Herz.