Mein Berlin Aufräumen mit Herz und Ideen

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Der höchste Berg Afrikas im Kilimandscharo-Massiv ist 5.895 Meter hoch. Wer vor so einem Berg steht, um ihn zu bewältigen, muss viel Ausdauer und Motivation mitbringen. Dann kann man es schaffen. Sicher nicht von heute auf morgen, aber in vielen kleinen Etappen und als Team. Genau so beschreibt es Ronny Löprick, wenn er über seine Arbeit spricht. Seit der Übernahme des Wohnungsbestandes durch die HOWOGE im Jahr 2022 ist er als Hausmeister in der Neuköllner High-Deck-Siedlung beschäftigt. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Marcel Hoffmann, Mike Schliebenow, Stephan Schirmer und Kiezhelfer Sascha Marhun kommt er jeden Tag gerne zur Arbeit und stellt sich den großen und kleinen Herausforderungen im Quartier. Denn: Besonders in den Sommermonaten, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner viel draußen und die Spielplätze voll sind, kommt hier viel Abfall zusammen. Leere Trinkpäckchen, Wassereispackungen, Flaschen und Dosen ohne Pfand – ganze 500.000 Liter Müll sammelten die Hausmeister hier im ersten Jahr. Stellt man sich das in haushaltsüblichen Wassereimern à zehn Liter vor, wäre der Müllberg beachtliche 50.000 Eimer hoch.

Durch Spaß im Team zum Erfolg

Für Löprick und sein Team ist das kein Grund zu verzagen. Im Gegenteil. Schon bald machen sie eine maßgebliche Ursache für das Müllproblem aus: „Wenn man den Menschen keinen Platz bietet, wo der Müll entsorgt werden kann, dann wird er eben fallen gelassen“, erklärt der Hausmeister. Tatsächlich gab es bis dahin keinen einzigen Mülleimer auf den High Decks, den oberen Fußgängerwegen der Großsiedlung. Im Jahr 2022 bringen er und sein Team im Auftrag der HOWOGE deshalb 100 Wandmülleimer entlang der Wege an. Zunächst mit schwarzen Tüten, später mit roten: „Die sieht man viel besser in den drahtgeflochtenen Müllkörben“. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres verzeichnen die Hausmeister 40 Prozent weniger Abfall auf den High Decks. Das motiviert: „Wir haben als Team unseren Spaß und wir merken, dass wir etwas erreichen können“, berichtet Löprick stolz.
 

Abbildung: Manchmal ist die Lösung einfach: Neue Mülleimer mit roten Müllbeuteln reduzierten den Abfall in der High-DeckSiedlung erheblich.
Mit Kindern Berge versetzen

Unterstützung erhalten die HOWOGE-Hausmeister in verschiedenen Quartieren vermehrt von den Jüngsten. Umweltbildung lautet das Stichwort, wobei Kinder und Jugendliche spielend lernen, ihren Kiez wertzuschätzen und positiv mitzugestalten. So sammelten im letzten Jahr die Schülerinnen und Schüler der Grundschule in der Köllnischen Heide gemeinsam mit dem Quartiersmanagement, dem Freilandlabor Britz und Freiwilligen der High-Deck-Siedlung – darunter auch das HOWOGE-Hausmeister-Team – innerhalb eines Tages beachtliche 6.000 Liter Müll sowie zusätzlich acht Kubikmeter Sperrmüll. Daraus entstand schließlich der Müllberg „Müllimandscharo“, analog zum afrikanischen Bergmassiv. „Die Aktion setzt da an, wo man die Kinder noch beim Schärfen des Bewusstseins für Umwelt und Sauberkeit unterstützen kann“, weiß Carolin Gwiszcz, Referentin in der Abteilung Soziales Management bei der HOWOGE. Im Rahmen des World Cleanup Days sammelten auch am Kottbusser Tor drei Schulklassen der Jens-Nydahl-Grundschule im September 2022 Abfall. Ausgestattet mit Müllgreifern, Eimern und Müllbeuteln kamen sie auf 420 Liter. Unter dem Motto „Zusammen aufräumen!“ sorgte ein Rahmenprogramm inklusive Recycling-Rap für viel Motivation und Freude bei der einfachsten Sache der Welt: Aufräumen.
 

Abbildung: Beim Recycling-Rap mit großem Trommelwirbel wurde die HOWOGE-Aktion „Zusammen aufräumen!“ am Kotti zum Erlebnis.

500.000 Liter Abfall sammelten die Hausmeister in der High-Deck-Siedlung

Anreiz statt Zeigefinger

Ohne erhobenen Zeigefinger funktioniert das sehr gut. Es lohnt sich, Kindern den Spaß am Naturschutz zu vermitteln, statt zu mahnen, erklärt Gwiszcz. Mit einem Klassenfahrtgutschein in Höhe von 2.500 Euro geht die HOWOGE in freundlicher Zusammenarbeit mit der Berliner Stadtreinigung BSR genau in diese Richtung: „Dein sauberer Schulweg“ heißt das gemeinsame Pilotprojekt beider Unternehmen, bei dem die Grundschulen in den 21 HOWOGE-Quartieren aufgerufen sind, bis zu den Sommerferien im Umkreis der Schule Abfall zu sammeln und kreative Ideen für einen schöneren Schulweg zu entwickeln. „Die Aktion ist ein wichtiger Beitrag für den Umweltschutz, die Umweltbildung und nicht zuletzt für die Nachhaltigkeitsziele der Stadt Berlin und der HOWOGE“, so Gwiszcz, die das Projekt gemeinsam mit der BSR ins Leben gerufen hat. Von der BSR erhält jede teilnehmende Schule nach Anmeldung sogenannte Kehrenbürgerpakete mit Greifer, Handschuhen, Eimern und Müllsäcken. Volle Müllsäcke werden kostenfrei von der Stadtreinigung abgeholt und gezählt. Die Schulgruppe, die den meisten Müll gesammelt hat, wird am Ende ausgezeichnet und mit einem Zuschuss zur Klassenfahrt belohnt.
 

Abbildung: Die HOWOGE-Hausmeister Ronny Löprick, Sascha Maruhn und Mike Schliebenow (v. l.) haben Spaß bei der Arbeit in der High-Deck-Siedlung.

Es lohnt sich, Kindern den Spaß am Naturschutz zu vermitteln.

Carolin Gwiszcz | Soziales Management

Zeit für Menschlichkeit

Dass alternative Ansätze gut funktionieren, bestätigt auch Hausmeister Löprick: „Man muss sich Zeit für die Menschen nehmen“, sagt er aus seiner täglichen Erfahrung. Statt mit erhobenem Zeigefinger etwas durchzusetzen, sei es wichtiger, einander zu verstehen. Immerhin leben in Berliner Wohnsiedlungen mitunter bis zu 50 verschiedene Nationalitäten jeden Alters zusammen. Die Ansprüche an das gemeinsam genutzte Wohnumfeld mögen verschieden sein, erläutert Gwiszcz, doch im Bedürfnis nach Sicherheit und Sauberkeit für sich und die Familie fänden alle einen gemeinsamen Nenner. Auf diese Basis will die HOWOGE gemeinsam mit dem Bezirksamt aufbauen und setzt deshalb seit Mai Kiezhausmeister:innen in den HOWOGE-Quartieren am Mehringplatz und ab Spätsommer auch am Fennpfuhl ein. „Die Kiezhausmeisterei wurde 2021 ins Leben gerufen, um alle Menschen vor Ort aktiv in die Instandhaltung und Reinigung des öffentlichen Raums einzubeziehen und ihnen damit nicht nur ein besseres Erholungserlebnis zu bieten, sondern sie auch an der Lösung der Probleme direkt zu beteiligen, also Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten“, erklärt Gwiszcz. Wenn es um Sauberkeit und Sicherheit gehe, brauche es eben manchmal eine Brücke, jemanden, der mitmacht, unterstützt und auf Augenhöhe vermittelt. Das Aufgabenspektrum der Kiezhausmeister:innen reicht dabei von der Müllbeseitigung über die Entfernung von unerwünschtem Wildwuchs bis hin zur Übernahme kleiner Reparaturen. Gleichzeitig, so Gwiszcz, sollen sie aber auch Ansprechpartner:innen für die Menschen vor Ort sein. „Sie bieten genau dort eine helfende Hand, wo sich sonst niemand zuständig fühlt“. So lässt sich am Ende auch der höchste Berg überwinden: in vielen kleinen Schritten und mit vielen helfenden Händen.
 

Abbildung: Im Team und mit Unterstützung der neuen elektrischen Kehrmaschine halten die Hausmeister den Kiez sauber.