Kiezgeschichten

„Kinder malen einfach drauflos“

„Kinder malen einfach drauflos“

Der Hohenschönhausener Grafiker Mathias Roloff stellt nicht nur aus, er begeistert auch Kinder und Jugendliche für kreatives Arbeiten.

Genslerstraße 13 in Alt-Hohenschönhausen: ein Fabrikgebäude aus DDR-Zeiten. Heute ist das Gelände eine bekannte Adresse unter internationalen Künstlern. In den STUDIOS ID haben 200 Maler, Designer und Fotografen ihre Ateliers. Auch Mathias Roloff. Wer dem Grafiker beim Zeichnen zusehen will, muss in den 6. Stock. Hier riecht es nach Farbe und Klebstoff. Der 37-Jährige fertigt gerade ein originalgrafisches Buch: Radierungen, die von Hand gebunden werden. So entsteht in mühevoller Arbeit eine kleine Auflage von zehn Exemplaren. „Das kostet viel Zeit“, sagt Mathias Roloff. So eine Serie entsteht einmal pro Jahr, monatelang bereitet der Künstler die Originale vor. Mathias Roloff ist in Alt-Hohenschönhausen verwurzelt. „Hier ist mir alles vertraut. Hier habe ich Ruhe und kann mich auf die Arbeit konzentrieren“, sagt er. Sein kreatives Schaffen bringt den gebürtigen Ostberliner häufig nah ran ans wahre Leben – auch auf die Straße. Etwa wenn er während eines Stadtteilprojektes mit einer Horde Teenager eine 60 Meter lange Mauer am Bahnhof Lichtenberg bemalt, mit großem Pinsel, Bürste und Schwamm. „Es ist spannend, wie die Ideen und Motive auf einer großen Fläche erscheinen“, erzählt Roloff.

Ein Gemälde von Mathias Roloff

Auch beim Kiez-Kultur-Sommer 2016 von LOA Berlin arbeitete Mathias Roloff vor allem mit jungen Menschen. Er nahm eine Druckpresse aus der Werkstatt des Nachbarschaftshauses Kiezspinne mit und stellte sie in den Innenhof der Flüchtlingsunterkunft Ruschestraße – und los ging das kreative Arbeiten mit allen Bewohnern und Nachbarn! „Mit den Kindern hat das am besten funktioniert“, so Roloff, „die malen einfach drauflos.“ Mit etwa zwölf Jahren werden sie vorsichtiger, legen schon vorher den Radiergummi neben das Blatt. „Wie Erwachsene, die wollen nichts falsch machen.“ Dabei ist es gerade das Unsymmetrische, was den Profi reizt: „Die falschen Linien gehören dazu.“


Mathias Roloff erleben

Bis 11. Februar zeigt die Galerie Knauber in Schöneberg in der Ausstellung „Salon 1“ unter anderem Werke von Mathias Roloff (www.galerie-knauber.de).
Vor Ort erklärt der Künstler, wie etwa ein originalgrafisches Buch entsteht. In Lichtenberg kann man Mathias Roloff als Organisator der Stadtteilwerkstatt Kiezspinne erleben.
Infos auf: www.kiezspinne-fas.org

Mathias Roloff