Bauhaus-Universität Weimar

Verfasser*in:
Simon Andri Fischer
Jan Gerrit Müller-Scheeßel

Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur und Urbanistik
Prof. Dr. Steffen de Rudder

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Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag

TRÜMPFE DER VORSTADT

Der Entwurf basiert auf einem Freiraum-Teppich, der sich über das Bebauungsgebiet legt. Das fluide Gefüge wird durch Grünflächen verschiedener Hierarchien gegliedert, die eine Unterteilung des Raumes in verschiedene Eigentumsverhältnisse zulassen.
Zentrales Bestandteil jedes Puzzlestückes ist der halböffentliche Gemeinschaftsgarten. Dieser dient als verbindendes Element und folgt dem Ziel allen Anwohner:innen einen Zugang zu Gartenfläche zu ermöglichen.  Vier Baufelder, die Platz für modulare Haustypen unterschiedlicher Anordnung, Ausprägung und Zielgruppen bieten, ordnen sich schützend herum an und bilden trotz ihrer differenzierten Eigenschaften eine homogene Vielfalt. So soll die Idee der Gartenstadt als verdichteter städtebaulicher Typus in die Gegenwart adaptiert werden.
Die Geschossigkeit passt sich dem menschlichen Maßstab an, sorgt für ein angenehmes Dichteverhältnis innerhalb des Quartiers und bildet Anknüpfungspunkte zur Kontextbebauung aus. Die Dächer werden zu nutzbaren Stromerzeugern und sorgen mit Solaranlagen und Darrieus-Rotoren für grüne Energie im Quartier.
Das Bindeglied zwischen dem öffentlichen Raum und den Gemeinschaftsgärten bilden kleine Hobbygaragen aus, die mit Ablagen, Strom und Staumöglichkeiten Platz für alle die ihn brauchen bieten. Sie spannen zusammen mit den Wohngebäuden einen Vorhof auf, der das Potenzial hat, die Wohnzimmer der Bewohner:innen in den Außenraum zu projizieren, um sich den städtischen Raum individuell anzueignen.
Sekundäre Grünflächen dienen als Puffer in der Erdgeschosszone und fördern als kleine Kräuterwiesen die Artenvielfalt. Die StadtAue in der Mitte versinnbildlicht die Funktion als Lunge und Klimaanlage des Quartiers.
Die Haupterschließung erfolgt über den Mobilitäts-Ring. Davon ausgehend, können alle Gebäude erschlossen werden, verbunden durch den Begegnungsraum: Der verkehrsberuhigte Bereich mäandriert durch das  Quartier und kann von allen gleichberechtigt benutzt werden.
Die Bodenoberfläche aus Bruchsteinplatten variiert in ihrer Größe und zoniert so den öffentlichen Raum. Das Fugengrün aus versickerungsfähiger Vegetation wie beispielsweise Sternmoos, schafft einen klimaeffektiven und nachhaltigen Bodenbelag, dessen Wurzelwerk für einen Zusammenhalt des Steinbelages sorgt und so zu einer hohen Belastbarkeit beiträgt.
Entlang des Mobilitäts-Rings bilden sich vier Quartiersplätze aus, deren Charakter durch je eine Stadtscheune geformt wird. Jedes dieser Multifunktionsgebäude vermittelt zwischen verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten und beinhaltet neben  60 Stellplätzen eine dem Platz und seiner näheren Umgebung zugeschriebene Funktion. Je ein Hochpunkt markiert die besondere Lage und sorgt für eine weithin sichtbare Landmarke.
Wir möchten mit dem Entwurf Naturnähe mit einer gelebten Urbanität verbinden und so die Trümpfe der Vorstadt ausspielen.