Anerkennung - performative architektur

Stadtplanungs- / Architekturbüro: 
performative architektur, Stuttgart und UTA Architkten und Stadtplaner GmbH, Stuttgart
Dominic Plag, Steffen Wurzbacher, Dominique Dinies, Samuel Holz, Ines Neuendorf
www.performative-architektur.de

Landschaftsarchitekturbüro: 
Köber Landschaftsarchitekten GmbH, Stuttgart
Jochen Köber, Andreas Schübl
koeber-la.de

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Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag

Die Natur der Stadt

Der Mensch hat mit seinen technischen und kulturellen Fähigkeiten im Laufe der Geschichte Einzigartiges geschaffen. Die Europäische Stadt mit ihrer Dichte, Nutzungsmischung und räumlichen Varianz ist Basis eines vitalen gesellschaftlichen Miteinanders. Dies ist die erste Prämisse des vorliegenden Entwurfs.

Zur Errichtung seiner Stadt hat der Mensch der Natur Land abgerungen und dieses nach seinen Vorstellungen kultiviert. Die ursprüngliche Natur wurde dabei vollständig zerstört und durch eine künstliche „Natur“, den städtischen Parks, Äckern oder Wiesen ersetzt. Der Natur als Rückzugsraum für Flora und Fauna wieder Raum zu geben und mit den Bedürfnissen des Menschen zu verbinden ist die zweite Prämisse dieses Entwurfs.

Städtebauliche Struktur und Basislayout
Das vorgegebene Raster wird mit einem Toleranzmechanismus versehen. Dieser erlaubt die Anpassung des Rasters an bestehende topografische, bauliche und freiräumliche Gegebenheiten sowie zur freien Gestaltung segmentierter Straßenräume. Diese definieren den urbanen Raum.

Demgegenüber wird ein vernetzter und sich verzahnender Grünraum gegenübergestellt, welcher das Plangebiet mit feinen Verästlungen durchzieht. Städtisches Netz und vernetzter Grünraum treffen sich an den hofförmigen baulichen Strukturen. Jedes Gebäude grenzt sowohl an den urbanen Raum (Vorderseite), als auch an den Naturraum (Rückseite).

Der Hof als Basis einer vitalen Nachbarschaft
Das Wohnen und das weitere alltägliche Leben wird in Höfen organisiert. Diese entwickeln sich aus den Straßenräumen zu einem halböffentlichen Zwischenbereich. Hier trifft sich die Hofgemeinschaft, man plaudert, feiert zusammen, repariert und tauscht Gegenstände. Jeder Hof hat am Übergang zur Straße großzügige Fahrradabstellmöglichkeiten, Gemeinschaftsräume, Mikrobüros für das zukünftige Homeoffice sowie kleinere Läden. Das Dach der Gebäude ist ebenfalls erweiterter Bestandteil der Hofgemeinschaft. Die durch brücken verbundene Dachlandschaft ist für alle Bewohner*innen gleichermaßen zugänglich und nutzbar. Hier werden Lebensmittel angepflanzt, Energie gewonnen und Regenwasser zurückgehalten.

Digitale Gesellschaft und neue Mobilität
Durch die weitere Entwicklung der Digitalisierung wird der Mensch zukünftig vermehrt aus dem Homeoffice arbeiten. Hierfür werden Mikrogemeinschaftsbüros in den Höfen angeboten. Weitere alltägliche Bedürfnisse (soziale Aktivitäten, Einkaufen, Sport und Freizeitaktivitäten) finden wohnungsnah Raum. Der straßenraum ist dem Rad und den Fußgänger*innen vorbehalten. Autonom und in stark reduzierter Geschwindigkeit fahrende Elektromobile und Lieferfahrzeuge erlauben jedoch auch die Ansiedlung von kleinteiligem Handwerk und produktiven, nicht störendem Gewerbe der Industrie 4.0.

Cradle to cradle
Das Quartier hinterlässt einen minimalen ökologischen Fußabdruck. Nachhaltige Baustoffe, erneuerbare Energien aus Sonne und Umweltwärme sowie eine eigene Energiezentrale lassen das Quartier CO2 neutral betreiben. Anfallendes Abwasser wird in zwei Energie- und Wasserhäusern gereinigt und in den zentralen Naurraum versickert und verdunstet. Dieser nimmt auch das überschüssige Regenwasser in als „Wetlands“ konzipierten Bereichen auf.