2. Preis - ISSS research |architecture | urbanism

Stadtplanungs- / Architekturbüro: 
ISSSresearch |architecture | urbanism PartGmbB, Berlin 
Johanna Hamel, Ingrid Sabatier, Nina Schulz, Stephan Schwarz
isssresearch.com

Landschaftsarchitekturbüro: 
bauchplan ).( Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, München
Tobias Baldauf, Anna Kollmann-Suhr, Fernando Nebot Gomez, Kay Strasser
www.bauchplan.de

Disclaimer: Das Speichern und das Verwenden aller Daten dieser Seite ist nur mit Zustimmung der HOWOGE gestattet.

Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag

FUTURE LOOPS
Vorne raus lebendig urban und hinten naturnah grün!
Ein Berliner Wohn-Traum erfüllt sich im synergetischen Zusammenspiel von lebendig-urbanem und produktiv-grünem Loop als fraktales Leitbild für ein lebenswertes Stadtquartier an der Schnittstelle zur Landschaft.

Konzept

Das Leitbild des neuen Stadtquartiers basiert auf einer symbiotischen Verknüpfung von lebendig urbanen mit produktiv-grünen Stadträumen. Auf Quartiersebene wird dies durch einen urbanen und einen grünen Loop umgesetzt. Beide Loops schaffen über ihre internen Qualitäten und Angebote hinaus auch Mehrwerte für die angrenzenden Quartiere und leiten sich aus diesen ab. Die bestehenden Einfamilienhausstrukturen erhalten im grünen Loop ein heute fehlendes Angebot qualitätsvoller gemeinschaftlicher und öffentlicher Freiräume. Die angrenzende Großsiedlung findet im urbanen Band neue kleinteilige Angebote urbanen Lebens vor, die in dieser Form heute nicht bestehen. An der Schnittstelle der beidem Loops entsteht ein Quartierszentrum mit Angeboten für das neue und die angrenzenden Quartiere in direkter Anbindung an die S-Bahn-Station und das übergeordnete ÖPNV-Netz.

Die beiden Loops und das Quartierszentrum bilden das übergeordnete Freiraumgerüst des neuen Stadtquartiers, das sich innerhalb dieser Struktur in unterschiedliche Nachbarschaften mit zugehörigen Nachbarschaftsplätzen gliedert. Diese Nachbarschaften haben thematische Schwerpunkte und bilden so durch ihre unterschiedlichen Nutzungen und Dichten eigenständige Identitäten aus. So bauen die verschiedenen Nachbarschaften – die Maker-Tower-City, die Gartenstadt 2.0 und der 5-Minuten Kiez – differenzierte Bezüge zu den angrenzenden Quartieren auf. Sie führen vorgefundene Qualitäten fort und schaffen Mehrwerte durch neue Angebote. Durch ihre unterschiedlichen Körnigkeiten und Dichten schaffen sie zudem harmonische Übergänge und garantieren eine selbstverständliche Integration des neuen Stadtquartiers in seinen Kontext. Als Joker wird ein Experimentierfeld für neue und experimentelle Wohnformen an der Schnittstelle des Quartiers zu seinen Nachbarn und in direkter Nähe zum Quartierszentrum ausgewiesen. Dieser Baustein ergänzt die thematischen Nachbarschaften und bereichert das Gesamtquartier.

Quartiersstimmungen

# Sport an der S-Bahn
# Ökologischer Korridor an der Infrastruktur
# Gemeinschaftliche Wohnhöfe
# Urban Gardening zu den EFH
# Produktives Grün und urbane Natur im Quartier
# Produktive Stadt

Fraktales Leitbild | Produktive grün+urbane Synergien

Direktes Wohn- und Lebensumfeld
… vorne die Friedrichstrasse – hinten die Ostsee …

Puzzlestücke
Reaktion auf den Kontext – urban und grüne Mehrwerte für den Stadtteil

Nachbarschaft
Urbane Straße und grüne Durchwegung

Quartier
Urbaner Loop und produktives, grünes Band

Stadtteil
Skalierbarkeit des Leitbildes und Konzeptes

Stadt der kurzen Wege | Typologische Vielfalt | Nutzungsmischung | 5-Minuten Stadt

Die Grundstruktur des neuen Quartiers basiert auf der Bildung von kleinteiligen Nachbarschaften, die sich durch verschiedene Schwerpunkte ergänzen und so in ihrem Zusammenspiel ein resilientes und gemischt genutztes Quartier schaffen. Die robuste Struktur bietet Raum für vielfältige Typologien und kleinteilige Nutzungsmischung auf den einzelnen Baufeldern und in den Nachbarschaften. Entlang der Infrastrukturtrasse im Westen werden gewerbliche Nutzungen im Sinne einer produktiven Stadt gebündelt, die so mögliche Synergieeffekte nutzen können. Diese Nutzungen schaffen Mehrwerte für das Gesamtquartier indem lokale Kreisläufe gefördert werden. Abwärme kann zum Beispiel direkt auf Quartiersebene genutzt werden, bzw. ins Quartiersnahwärmenetz eingespeist werden. Die Wohnnutzungen intensivieren sich hin zur Landschaft im Norden sowie zu den Einfamilienhäusern im Osten und schaffen so einen sanften Übergang hin zu den bestehenden kleinteiligen Strukturen. Im Norden verzahnt sich das Quartier mit produktiven Freiräumen mit der angrenzenden Kulturlandschaft. Die großmaßstäblichen Hofstrukturen aus der südlich angrenzenden Umgebung werden aufgenommen und als gemeinschaftliche grüne Höfe mit gemischt genutzten Strukturen fortgeführt. Die hier entstehende stärker urban geprägte Nachbarschaft bietet vielfältige urbane Angebote die auch für die angrenzende Wohnsiedlung einen realen Mehrwert schaffen. Das Quartierszentrum an der Schnittstelle von urbanem und grünem Loop bündelt die Nahversorgungsfunktionen des Quartiers und beherbergt neben gemeinschaftlichen Angeboten auch einen Bildungsschwerpunkt mit Kita, Volkshochschule, Musikschule, Stadtteilbibliothek als inter-generationelles und mehrfach genutztes Gebäude mit kulturellem Schwerpunkt.

Mobilitätsstrategie | Stadtraum für Menschen

Ein Loop erschließt, als Boulevard mit integriertem Fahrradschnellweg, das gesamte Quartier, verbindet die einzelnen Nachbarschaften miteinander und bindet es zudem über den ÖPNV an die angrenzenden Stadtteile an. Dieser Quartiersloop schafft eine klare Orientierung und gewährleistet eine einfache Adressbildung der Nachbarschaften. Vielfältige Fuß- und Radwege ergänzen dieses Hauptgerüst und schaffen eine vielfältige und abwechslungsreiche Durchwegbarkeit des Quartiers für den Langsamverkehr zu Fuß und mit dem Rad. Am Loop befinden sich in den einzelnen Nachbarschaften Mobilitätsstationen mit Quartiersgaragen, Sharing Angeboten, Packstationen und Fahrradwerkstätten die an den Nachbarschaftsplätzen mit kleinteiligen Angeboten des Alltags wichtige Anker einer Stadt der kurzen Wege sind. Diese Mobility-Hubs sind mit Autofahrstühlen ausgestattet, wodurch platzintensive Rampen entfallen und die Geschoßhöhen wesentlich flexibler variieren können um insbesondere eine aktive EG Zone sicherzustellen. Darüber hinaus bietet diese Typologie eine optimale Voraussetzung diese Gebäude in Zukunft bei sinkendem Parkplatzbedarf einfach und schrittweise umnutzen zu können.

Freiraum | Stadt für Alle

Das grüne Band als Herzstück des Freiraumgerüst im neuen Stadtquartier ist nicht nur identitätsstiftender Ort, sondern auch produktives Grün und sozialer Treffpunkt im Stadtteil. Neben diesem zentralen Grünraum schaffen kleine Nachbarschaftsplätze ein zusätzliches Angebot an Freiräumen. Das Sport- und Aktivband an der Infrastrukturtrasse im Westen bietet Raum für lautere Freiraumnutzungen. Im Osten schaffen kleinteilige Gartennutzungen einen sanften Übergang und ein neues Angebot hin zu den bestehenden Einfamilienhäusern. Im Süden bildet eine Promenade ein neues Angebot für die bestehende Wohnsiedlung und ergänzt deren bestehendes Freiraumangebot. Am Übergang zur Landschaft verzahnt sich das Quartier kleinteilig mit derselben. So entsteht ein differenziertes Netz öffentlicher Freiräume mit attraktiven Angeboten für alle Altersgruppen. Es entstehen ruhige Bereiche mit Sitzgelegenheiten, Spielbereiche für die Kleinen sowie Orte mit expliziten Angeboten für Jugendliche. Nutzbare Freiräume entstehen im neuen Quartier aber nicht nur zu ebener Erde, auch die Dachlandschaft wird, neben ihrer ökologischen Funktion, als Freiraumlandschaft begriffen in der gemeinschaftliche Angebote für die Bewohner*innen geschaffen werden. So entsteht ein Freiraumsystem mit unterschiedlichen Qualitäten auf allen Ebenen.

Stadtökologie | Resilient und Klimaangepasst

Das Freiraumgerüst des neuen Stadtquartiers übernimmt neben seiner Aufenthaltsqualität eine wichtige Rolle für ein angenehmes Stadtklima. Das Regenwassermanagement des Quartiers ist gestalterisch in den öffentlichen Raum integriert. Im zentralen grünen Band befinden sich übergeordnete Retentionsflächen, die auch bei Großregenereignissen einen ausreichenden Schutz der angrenzenden Bebauung gewährleisten und darüber hinaus kühlende Effekte im Quartier übernehmen. Das Band ist zudem eine wichtige Frischluftschneise in das gesamte Quartier. In den Quartiersloop kann ein Nahwärmenetz integriert werden, das einerseits durch dezentrale Blockkraftwerke in den Quartiersgaragen gespeist werden kann. Die ökologischen Kreisläufe werden sichtbar und sowohl in den Grünräumen, als auch an den Quartiersplätzen in Szene gesetzt. Gestaltete Retentionsflächen, den öffentlichen Raum gliedernde Sickermulden, Straßenzüge im Schwammstadt-Prinzip, sowie ökologische Wasserspiele mit Regenwassernutzung und Solarpumpen unterstützen die Ökobilanz des Quartiers und tragen zu einer hohen Aufenthaltsqualität bei. So entsteht ein stadtökologisches Gesamtsystem auf Quartiersebene, in dem jedes einzelne Gebäude durch dezentrale Nutzung von Solarenergie, Verwendung ökologischer Baustoffe und die Integration von Dach- und Fassadenbegrünungen einen aktiven Beitrag dazu leistet ein resilientes zukunftsfähiges Stadtquartier zu schaffen.