Allee der Kosmonauten

Kersten Kopp Architekten GmbH und DGI Bauwerk Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur:
Kersten Kopp Architekten GmbH und DGI Bauwerk Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
www.kersten-kopp.de

Landschaftsarchitektur:
capattistaubach Urban Landschaften, Berlin
www.capattistaubach.de

Tragwerksplanung:
ifb frohloff staffa kühl ecker, Berlin
www.ifb-berlin.de

Technische Gebäudeausrüstung:
Scheel Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
www.ing-scheel.de


Kersten Kopp Architekten Abgabeplan Seite 1
Kersten Kopp Architekten Abgabeplan Seite 2
Kersten Kopp Architekten Abgabeplan Seite 3
Kersten Kopp Architekten Abgabeplan Seite 4
Kersten Kopp Architekten Abgabeplan Seite 5
Kersten Kopp Architekten Abgabeplan Seite 6

Kersten Kopp Architekten Modell Südansicht
Kersten Kopp Architekten Modell Nordwestansicht
Kersten Kopp Architekten Modell Nordansicht
Kersten Kopp Architekten Modell Draufsicht

Erläuterungsbericht zum Wettbewerbsbeitrag

Städtebau
Zwischen den unterschiedlichen städtebaulichen Strukturen des Landschaftsparks Herzberge und dem Gewerbegebiet entlang der Rhinstraße liegt das neue Schulzentrum, eingebettet in eine landschaftlich reizvolle Situation. Die neuen Schulgebäude bilden ein städtebaulich prägnantes Ensemble, dessen Schulhofflächen sich zu den anschließen Freiräumen mit der Schafweide im Westen und dem Wäldchen am Südbecken des Marzahn-Hohenschönhauser Grenzgrabens orientieren. Die durch einen Wandelgang verbundenen Schulbauten bilden einen städtischen Platz aus, der sich zur neu geschaffenen Straßenbahnhaltestelle entlang der Allee der Kosmonauten orientiert. Der Vorplatz bildet die Adresse des neuen Schulzentrums. Hier liegen die Haupteingänge des Gymnasiums, der ISS und der gemeinsam genutzten Sporthalle.

Struktur der Gebäude
Die räumliche Struktur der Gebäude ist aus den pädagogischen Zielvorgaben des Lernhauskonzeptes entwickelt. Um großzügige Lichthöfe gruppierte Lernhäuser stellen das Grundmodul der 4-geschossigen Schulgebäude dar. Die geschossweise organisierten Lernhäuser bilden angenehme und inspirierende Lern- und Lebensorte. Im Gymnasium sind pro Obergeschoss je zwei, in der ISS je drei Compartments um einen gemeinsamen, kommunikativen Mittelbereich angeordnet. In den differenzierten Kubaturen der Gebäude wird das Aufbauprinzip der Lernhäuser ablesbar.

Lernhaus als zeitgemäßer Typ
Das klar gegliederte Lernhausmodul ist die Grundlage sowohl für die ISS als auch für das Gymnasium. Es lässt sich auch für weitere Schultypen verwenden. Durch seinen modularen Aufbau kann es an anderen Standorten auf andere Weise kombiniert und anordnet werden (Riegel, Winkel, Gruppe, Kette, Kamm etc.). Es ist damit sowohl an andere städtebauliche Situationen als auch an andere Zügigkeiten anpassbar. Dabei werden die Lernhausmodule im Sinne einer Typenplanung jeweils um variable Zentralbereiche der jeweiligen Schule (Standortplanung) ergänzt.

Gemeinsame Mitte/Erschließung
In der räumlichen Verbindung der Compartments untereinander liegen alle übergeordneten Funktionen und die Fachräume, die allen Schülerinnen und Schülern zentral zugänglich sind. Großzügige Kommunikations- und Selbstlernbereiche, Pausenaufenthalt, Treffpunkte und Plätze zum Chillen etc. bilden den räumlichen und inhaltlichen Zusammenhalt der Schulen. Die gemeinsamen Flächen orientieren sich zu den Innenhöfen und Loggien. Sichtbeziehungen durch die Gebäude schaffen Identität und eine gute Orientierung. Zentral gelegene, offene, kommunikationsfördernde Treppen verbinden die Geschosse untereinander.

Lernhäuser
Die Unterrichtsräume und der Teambereich gruppieren sich um das zentrale Forum, das als zentrales Wohnzimmer des Lernhauses jeweils an einem Lichthof liegt. Von allen Unterrichts- und Teamräumen sind über Verglasungen Sichtbeziehungen in das Forum möglich. Die Verglasungen wechseln sich mit Schrankwänden ab, die Staumöglichkeiten sowie Flächen für Schließfächer und Garderobe anbieten. Der, in Achse des Forums angeordnete, große Teilungsraum kann durch eine mobile Trennwand dem Forum zugeschaltet werden. So sind im Forum unterschiedlichste Nutzungen möglich (Unterricht, Präsentationen, Theater-/Veranstaltungen, Pause/Spiel/Freizeit etc.). Eine mobile modulare Möblierung unterstützt diese Multifunktionalität. Ein Schienensystem mit Hängeelementen ermöglicht temporäre Raumteilungen und schafft flexible Präsentationsflächen. Die Trennwände zwischen den Stammgruppen-/Kursräumen und den Teilungsräumen werden im Fassadenbereich entweder als Festverglasungen oder als Türverbindungen ausgebildet. So kann ein Lernhaus beispielsweise alternativ für die Sekundarstufe I (Verbindung Stammgruppenraum – Teilungsklasse) oder Sek II (keine Verbindung) genutzt werden. Insgesamt ermöglicht dieser offene flexible räumliche Aufbau der Lernhäuser unterschiedliche didaktische Konzeptionen für das individuelle Lernen, das Lernen in der Kleingruppe, im Klassenverband oder in der ganzen Jahrgangsstufe. Der strukturelle Aufbau ist flexibel und an pädagogische Entwicklungen anpassbar und damit zukunftsfähig.

Mehrzweckbereich
Die Mensen/Cafeterien und die multifunktional nutzbaren Mehrzweckräume sind zentral in den Erdgeschossen nahe der Eingangsbereiche angeordnet. Die Küchen und Nebenräume werden von der Allee der Kosmonauten aus sinnvoll unabhängig vom Schulbetrieb angeliefert. Die Mehrzwecksäle sind sowohl mit der Mensa als auch mit den Foyerflächen zusammenschaltbar und können für große Veranstaltungen der gesamten Schulgemeinschaft durch mobile Trennwände zum zentralen Foyer geöffnet werden. Eine separate Erschließung, einschließlich Garderoben und WC-Anlagen, ermöglicht auch externe Veranstaltungen unabhängig vom Unterrichtsbetrieb.

Fachraumbereiche
Die Fachräume sowie WAT-Bereiche schließen sich in beiden Schulen an die zentralen Mehrzweckbereiche an und sind um die, vom Schulplatz aus gesehen, rückwärtigen Lichthöfe organisiert. Informatik- und Kunsträume liegen in den Obergeschossen angelagert an die gemeinsamen Mitten.

Fassaden
Die Schulgebäude orientieren sich mit Ihren offenen einladenden Fassaden zur Allee der Kosmonauten und zum umliegenden Stadtteil. Die rote Farbe der Brüstungen und Fassadenprofile stellt einen Bezug zu den denkmalgeschützten Gebäuden des Klinikums Herzberge dar.

Sporthalle
Ein kompakter Baukörper mit zwei übereinander gestapelten Dreifeldsporthallen bildet den südlichen Abschluss des Schulplatzes. Die untere Halle ist einschließlich der zugeordneten Umkleiden und Geräteräume um ein Geschoss abgesenkt, sodass der Besucher vom Platz aus eine Galerieebene mit Blick in die tiefer liegende Halle betritt. Blickbezüge durch das offene Erdgeschoß hindurch verbinden optisch Schulplatz und die hinter den Sporthallen liegenden Außensportflächen miteinander. Über zwei jeweils an den Stirnseiten angeordnete Treppenhäuser wird die obere Sporthalle erschlossen. Hier sind die Geräteräume und Umkleiden übereinander gestapelt, sodass sich von der oberen Galerie vor den Umkleiden wiederum ein Blick von oben in die obere Halle ergibt.

Außenanlagen
Als Teil des Landschaftsparks Herzberge befinden sich die Schule und deren Außenanlagen in einem malerischen und ökologischen Landschaftsreservoir. Gewässer, Streuobstwiesen, Gartenbaubetriebe, Binnendünen sowie die angrenzende Schafweide prägen den Ort und tragen gleichzeitig zu einer starken Identität bei. Die Außenanlagengestaltung des Areals versteht sich als logische und bescheidene Ergänzung der Biodiversität des Bestandes. Der Waldsaum entlang des Marzahn-Hohenschönhausener Grenzgrabens sowie der nordöstliche Waldflächenzipfel werden entlang der Allee der Kosmonauten fortgeführt. Dieser Baumstreifen stärkt die Ost-West-Querungsachse des Landschaftsparks und ist als großzügige „Baumpromenade“, als wichtiger Bewegungskorridor für Schüler und Parkbesucher geplant. Die vorhandene Vegetation wird weitgehend erhalten, von Unterpflanzung befreit und z. T. hoch aufgeastet und ergänzt, damit eine bessere Orientierung und keine Angsträume geschaffen werden. Eine Brückenverbreiterung für Fußgänger und Radfahrer in Richtung Rhinstraße (Anbindung an der bestehenden Fahrradroute) sowie eine neue Straßenbahnhaltestelle im Bereich des Haupteingangs der Neubauten sind Teil dieser Strategie. Fahrradstellflächen sowie behindertengerechte Stellplätze befinden sich entlang der Achse. Vis-à-vis der Schafweide befindet sich ein öffentlich zugänglicher, dicht bepflanzter Pocket-Park, der die robusten und ruderalen Pflanzverwendungen mit demonstrativem Charakter darstellt. Dank der städtebaulichen Setzung der Neubauten entsteht ein klarer Forumsplatz. Dieser dient sowohl als Gelenk für die Erschließung aller Neubauten als auch als Treffpunkt/Aufenthaltsort für alle Schüler vor und nach den Unterrichtsstunden. Leichte Bodenmodellierungen ermöglichen Freizeitaktivitäten (Spiel, Skaten etc.). Das Forum ist gepflastert und pointiert mit Bestandsbäumen (Acer platanoides, Robinia pseudoacacia und Tilia cordata) und neuen hoch aufgeasteten Quercus coccinea und palustris. Die Bäume spenden Schatten und stärken die Orientierung, da sie von der Baumpromenade den Weg des Schülers begleiten und sich gleichzeitig im Forumsbereich vereinzeln. Alle restlichen eingezäunten Bedarfsflächen (Schulhöfe der Sekundarschulen sowie alle Sporteinrichtungen) befinden sich hinter den Neubauten (nach Süden und Osten). Beachvolleyball, Kletterwände entlang der Sporthalle, vielfältige Tischtennisplattenangebote sowie Work-Out-Kombinationen sind auf dem Areal verteilt. Schulgärten und extensive Grünflächen erhöhen die ökologische Vielfalt des Ortes und befinden sich südlich der Sekundarschulen. Die Sporteinrichtungen sind sowohl schulintern als auch für weitere externe Nutzer erreichbar. Von Überbauung von Fernwärmetrassen ist Abstand genommen worden.

Konstruktion
Im Sinne einer maximalen Flexibilität sowie einer elementierten und damit wirtschaftlichen Bauweise wird das Tragwerk des Schulgebäudes als Stahlbetonskelettbau geplant. Ein System aus Stahlbetonstützen und -balken schafft maximale Raumflexibilität. Spannbetonhohldielen überspannen mit geringen Bauteilstärken relativ große Spannweiten stützenfrei. Die Flachdecken gewährleisten maximale Flexibilität bei der Raumaufteilung und Leitungsführung (keine Beschränkung durch Unterzüge). Die Aussteifung erfolgt über Betonwände im Bereich der Brandschutztrennwände, Sanitärkerne und Treppenhäuser. Für die Beschleunigung des Bauablaufes kommen weitgehend Betonfertigteile bzw. Halbfertigteile zum Einsatz (Fertigteilstützen und -balken, Spannbetonhohldielen, Betonhohlwände). Die Trennwände zwischen den Räumen werden aus nichttragenden Trockenbau-, bzw. Holzständer-Leichtbauwänden hergestellt. Die Flurwände bzw. Wände zwischen Unterrichtsräumen und Forum werden als Einbaumöbel ausgebildet. Durch die Trennung von tragenden und ausfachenden Bauteilen wird die größtmögliche Flexibilität für Anpassungen an zukünftige Nutzungsänderungen gewährleistet. Die Gebäude sind teilunterkellert und auf Stahlbetonbodenplatten gegründet. Das Tragwerk des Nebenraumtraktes der Sporthalle wird analog des Schulgebäudes als Skelettbau mit aussteifenden Wänden aus Stahlbetonfertigteilen hergestellt. In Querrichtung des Gebäudes verlaufende Stahlbetonbinder liegen auf Stahlbetonstützen auf. Zwischen den Bindern spannen Stahlbetonhohldielen. Die Wände in Umkleide-, Geräteraum und Technikbereichen werden aus nichttragenden Trockenbauwänden hergestellt.

Hülle/Sonnenschutz
Die Fassaden werden durch ein System aus, vor das Stahlbetonskelett angeordneten, hochwärmedämmenden, Holzrahmenbauelementen mit eingesetzten Bandfenstern als hochwärmedämmenden Holz-Alu-Fensterkonstruktionen gebildet und ermöglichen so großzügige Bezüge zum Außenraum. Die Bandfensterkonstruktion ist so ausgebildet, dass im Raster von 1,25 m flexibel Trennwände angeschlossen werden können und damit unterschiedlichste Raumaufteilungen im Lernhaus möglich sind. Sich innerhalb des Rasters abwechselnde Festverglasungen und Öffnungsflügel sowie ein System aus, vor den Öffnungsflügeln angeordneten, feststehenden, einbruchsicheren und witterungsschützenden Glaslamellenbereichen ermöglichen unabhängig von der jeweiligen Raumaufteilung eine gute Versorgung mit natürlicher Belüftung sowie Nachtauskühlung pro Raum. Die Holzrahmenbauelemente werden von außen mit einer hinterlüfteten Verkleidung aus Glasfaserzementplatten verkleidet. Durch die Holzbauweise kann die komplette Stärke der Außenwandkonstruktion zur Gebäudedämmung herangezogen werden. Dies ermöglicht die Erreichung eines hohen Dämmstandards bei moderaten Bauteilstärken. Die sturzlose Außenwandkonstruktion ermöglicht in Kombination mit einer maximalen Raumtiefe von 7,20 m eine gute Tageslichtversorgung der Räume. Individuell steuerbare außenliegende Raffstores schaffen einen effektiven Sonnenschutz und lenken durch verspiegelte Oberseiten das einfallende Licht in die Raumtiefe. Eine Struktur aus vorgesetzten eloxierten Aluminiumprofilen trägt die Glaslamellen und nimmt die Raffstores auf. Die rote Farbe der Glasfaserzementplatten und Aluminiumprofile referenziert die standortprägende Backsteinarchitektur der historischen Krankenhausarchitektur Herzberge. Als Blendschutz kommen innenliegende Vorhänge zum Einsatz, die für eine behagliche Innenraumatmosphäre sorgen. Die Außenwände der Sporthallen werden ebenfalls als Holzrahmenbauwände mit hinterlüfteten Faserzementplatten und vorgesetzter eloxierter Aluminiumstruktur ausgebildet. Die Sporthallen werden über, in den Außenfassaden angeordnete, Oberlichtbänder belichtet und über öffenbare Fenster mit einer natürlichen Querlüftung gelüftet. Analog zum Grundprinzip einer Typenentwicklung für die neuen Lernhausschulen wird ein Fassadenbaukasten geplant, der an anderen Standorten mit alternativen Fassadenverkleidungen ausgeführt werden kann (silbergrau vorpatinierte Lärchenholzschalung, farbig bedruckte opake Glaspaneele etc.). An lärmexponierten Standorten können in der Ebene der außenliegenden Glaslamellen Schallschutz-Glasprallscheiben angeordnet werden.

Materialien
Die Schule wird aus robusten und langlebigen Materialien gebaut. Massive Bauteile sollen weitestgehend unverkleidet bleiben, um sie als Wärmespeicher zu aktivieren und damit die thermische Stabilität des Gebäudes zu verbessern. Im Innenbereich führen Kontraste aus warmen organischen und robusten mineralischen Oberflächen die Materialsprache der Fassaden konsequent fort. Linoleumböden in den Unterrichtsräumen, Holzwände und -möbeleinbauten sowie Holzwerkstoffakustikdecken kontrastieren mit den mineralischen Oberflächen der Nutzestrichböden der Zentral- und Erschließungsbereiche. Betondecken- und wände bleiben sichtbar oder werden wie die Leichtbauwände in einem hellen Farbkanon gestrichen.

Akustik
In allen Aufenthaltsbereichen sowie den Verkehrsflächen der Lernhäuser kommen absorbierende Akustikbaffeln (Lamellen) aus Holzwerkstoffplatten zum Einsatz um eine optimale Sprachverständlichkeit und akustischen Komfort zu ermöglichen. Die Baffeln ermöglichen gleichzeitig eine thermische Aktivierung der Betondecken sowie eine flexibel nachinstallierbare Leitungsführung der Gebäudetechnik.

Barrierefreiheit
Die Schulneubauten werden durchgängig barrierefrei geplant:

  • Erreichbarkeit des Gebäudes, Behindertenparkplatz, barrierefreier Hauptzugang,
  • horizontale und vertikale Erschließung (je ein Aufzug in Schulhaus und Sporthalle),
  • Lage, Anzahl und Ausstattung barrierefreier Sanitär- und WC-Räume,
  • Orientierung im und außerhalb des Gebäudes durch die Struktur der Baukörper und ein kontrastreiches Farbleitsystem.

Brandschutz
Die Erreichbarkeit der allgemeinen Schutzziele Personenrettung und wirksame Löscharbeiten wird bei beiden Schulgebäuden durch eine gezielte Einteilung von Brandabschnitten Rechnung getragen. Die Dimensionen beider Gebäude machen entsprechend der Muster-Schulbau-Richtlinie eine Brandabschnittsbildung nach höchstens 60 m erforderlich. Der Entwurf macht sich diese Vorgabe zu Nutzen und trennt jeweils die Enden beider Gebäude in kleinere, beherrschbare Brandabschnitte ab. Die Brandwände setzen dabei stets an die Mitte der Innenhöfe an, sodass zu deren Eckbereichen mindestens 5 m Abstand vorhanden sind. So entsteht jeweils ein größerer Brandabschnitt im Zentrum beider Gebäude. Im Falle eines dortigen Brandereignisses kann der Löschangriff aus mehreren angrenzenden Brandabschnitten erfolgen. Die offengehaltenen Mehrzweckbereiche beider Erdgeschosse sind als Versammlungsstätten mit Versammlungsräumen > 1000 m² einzuordnen. Das offene Raumgefüge lässt hier eine Fortsetzung der Brandwände nicht zu. Die wirksamen Löscharbeiten bleiben aufgrund der sonstigen, durchgängigen Brandabschnittsbildung trotzdem erreichbar. Hinsichtlich der Personenrettung aus den darüber liegenden Geschossen wird eine mögliche Brandausbreitung über die Fassade, durch die Überwachung des Mehrzweckbereichs, mittels einer Brandmeldeanlage, die für Versammlungsräume dieser Größe vorgeschrieben ist, kompensiert. Die Brandwände bieten zusätzlich den Vorteil, dass die Flucht in einen anderen Brandabschnitt dem Erreichen eines Notausgangs gleichzusetzen ist. In den Nutzungseinheiten können dadurch zusätzliche Rettungswege angeboten werden, durch die sich die maximalen Rettungsweglängen drastisch verkürzen. In Clustern, welche die 400 m² überschreiten, wird daher mindestens ein dritter Rettungsweg in einen anderen Brandabschnitt, im Erdgeschoss auch mitunter durch direkte Ausgänge ins Freie, angeboten. Die Aufteilung der Compartments an den Randbereichen besteht im Sinne eines offenen Raumgefüges mit den Foren jeweils aus einem großen Cluster > 400 m² und einem kleinen Cluster < 400 m². Durch den angrenzenden Brandabschnitt verbessert sich die Rettungswegsituation und eine Brandausbreitung auf andere Bereiche wird ausreichend lange verhindert. Die flächenmäßig überschaubaren Brandabschnitte bilden mit den Geschossdecken einen feuerbeständigen Raumabschluss. Da die Erreichung des Schutzziels Personenrettung durch die kurzen Rettungsweglängen innerhalb kurzer Distanzen erreichbar ist, wird angestrebt, die Trennwände zwischen den Clustern der Compartments lediglich feuerhemmend auszuführen.

Kosten/Wirtschaftlichkeit
Kompakte Baukörper und ein gutes Verhältnis BGF/NUF ermöglichen niedrige Investitionskosten. Eine dauerhafte, robuste und anpassungsfähige Konstruktion führt zu niedrigen Unterhalts- und Betriebskosten (Reinigungs- und Reparaturfreundlichkeit) und stellt einen Beitrag für die nachhaltige Nutzung des Gebäudes dar.

Energieeffizienz/Technisches Konzept
Die Gebäude werden den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens entsprechend geplant. Zentraler Bestandteil der Planung ist der Einsatz möglichst einfacher wartungsarmer technischer Systeme und die Orientierung an den Bedürfnissen und der Gesundheit der zukünftigen Nutzer.

KGR 410 – Sanitärtechnik
Die einzelnen Verbraucher werden nach dem HA-Anschluss an das KW-Verteilnetz angeschlossen. Evtl. TWW-Verbraucher werden mit elektr. Durchlauferhitzern versorgt. Es wird kein zentrales TWW-Netz aufgebaut. Für den Sportbereich wird eine zentrale WW-Anlage, gespeist aus dem FW-Netz, benötigt und auch dort verortet (optional können auf dem Sporthallendach angeordnete thermische Solarkollektoranlagen den regenerativen Energieanteil der Warmwasserversorgung erhöhen). Die Anlagen werden gem. der Vorschriften errichtet. Die Verbraucher werden entsprechend an das SW-Netz angeschlossen. Das RW wird mittels Zurückhaltung (Dachbegrünung) auf den Dächern vermindert, der oberflächlichen Versickerung, auf die dafür zur Verfügung stehenden Flächen, zugeführt. Die Feuerlöscheinrichtungen werden gem. des BSK vorgesehen.

KGR 420 – Wärmeerzeugungs- und Verteiltechnik
Schulen und Sporthallen werden mittels Übergabestationen an das FW-Netz angeschlossen. Die Wärmeversorgung der einzelnen Objekte erfolgt durch ein internes Verteilnetz (im Niedertemperaturbereich) zu den zu beheizenden Räumen. Diese werden mittels deckennaher Betonkernaktivierung auf die erforderlichen Raumtemperaturen erwärmt. Die Wärmeeinbringung in die Räume erfolgt mittels Strahlungsaustausch. Damit ist eine effektive Energieeinsparung gegenüber klassischen konvektiven Beheizungstechniken bei höherer Behaglichkeit möglich. Damit besteht auch die Option eine alternative nachhaltigere Niedertemperaturerzeugungsanlage einzusetzen und die Heizflächen daraus zu versorgen. Durch die gewählte Beheizungstechnik wird eine sehr behagliche und hygienische Raumbeheizung umgesetzt. Optional ist es auch möglich, die Anlagentechnik der BKT zur Nachtauskühlung parallel zur RLT-Anlagentechnik heranzuziehen. Hier wird insbesondere die Speicherfähigkeit der Decken etc. ausgenutzt. Einzelne Nebenräume etc. erhalten örtliche HK nach Bedarf. Alle Räume werden bedarfsabhängig geregelt und versorgt. Die RLT-Anlagen erhalten einen gesonderten geregelten Abgang, sodass hier mit einer entsprechenden Temperaturspreizung die RLT-Anlagen gefahren werden kann.

KGR 430 – Raumlufttechnik
Die einzelnen Schulgebäude werden jeweils mit einer zentralen RLT-Anlage versorgt. Aufgrund der Anzahl an zu lüftenden Unterrichtsträumen wird diese gegenüber der parallel untersuchten dezentralen Lösung bevorzugt (Betriebskostenminimierung). Die Versorgung erfolgt von einem bzw. zwei auf dem Dach aufgestellten RLT-Geräten, mittels Verteilnetz, vertikal in jedes Brandschutzcluster (Minimierung der Anzahl an BSK) und liefert die Luftvolumenströme in die anliegenden Räume bedarfsgerecht geregelt. Die Fensterlüftung ist weiterhin möglich und wird bei der Bemessung der Lüftungsanlage berücksichtigt. Während der Fensteröffnung wird die Raumluftzufuhr gedrosselt (Prinzip der hybriden Schulraumlüftung). Die Zulufteinbringung erfolgt mittels effektiver Auslässe nach dem Quellluftprinzip. Die Abluftführung erfolgt entsprechend parallel zurück zum Gerät. Die Geräte sind mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung ausgestattet. Einzelanlagen werden nur für evtl. Digestoren und sonstige notwendige Nutzungen vorgesehen. Die Sporthallen erhalten inkl. der Nebenräume eine, entsprechend den Bedürfnissen angepasste, Anlagentechnik.

KGR 440/450 – Elektrotechnik
Die Versorgung der Objekte erfolgt mittels HA-Station aus dem Netz des Stromnetzes Berlin (optional zusätzlich Fotovoltaikanlage auf den Dachflächen). Die interne Installation wird gem. der Vorschriften aufgebaut, sodass die Räume gem. der Nutzungsbedingungen angeschlossen werden können. Dabei wird auf eine tageslichtgesteuerte und verbrauchsminimierende Beleuchtung der Unterrichts- und Aufenthaltsräume (LED) besonders verwiesen. Die Steuerung erfolgt über ein Bus-System. Die Sicherheitsbeleuchtung etc. wird gem. Vorschriften erreichtet. Die Gebäude werden ebenfalls an die anliegenden TK-Netze angeschlossen und erhalten einen inneren Aufbau gem. der Vorgaben und Vorschriften.

KGR 480 – Gebäudeautomationstechnik
Die Haustechnischen Anlagen der Gebäude werden alle entsprechend an ein GA-Netz angebunden und durch die dezentralen Automationsstationen geregelt und gesteuert. Dieses ist dezentral an den jeweiligen Anlagen bedienbar, aber auch durch eine entsprechende Bedienstelle zentral. In den einzelnen Räumen werden die Raumtemperatur wie aber auch der Zuluftbedarf bedarfsgerecht geregelt. Damit ist es möglich ein entsprechend den Stundenplänen gestaltetes, raumweises Anlagenfahrprogramm umzusetzen und ein entsprechendes Energiemonitoring auch extern auslesbar einzurichten.

Nachhaltigkeit
1. Erschließung

  • getrennte Erschließung Schulen und Sporthalle vom Schulplatz und den Schulhöfen
  • ausreichende Anzahl an Fahrradstellplätzen in geringer Entfernung zum Haupteingang (bzw. alternativ genutzter Eingänge)
  • Trennung von öffentlichen und schulisch genutzten Bereichen
  • Berücksichtigung von Hol- und Bring-Diensten mobilitätseingeschränkter Benutzer

2. Öffentliche Zugänglichkeit

  • separate öffentliche Zugänglichkeit (Mehrzweckbereiche, Mensen, Cafeterien)
  • separate Erschließung ungedeckter Sportflächen

3. Barrierefreiheit

  • Berücksichtigung „Design-for-all“-Richtlinie und DIN 18040 in Gebäuden und Außenanlagen
  • Ermöglichung selbstständiger und selbstbestimmter Nutzung
  • Berücksichtigung Barrierefreiheit im Brandschutz (Flurbreiten und Podestbreiten in Treppenräumen)

4. Kommunikationsfördernde Flächen und Räume

  • hohe Aufenthalts- und Gestaltungsqualität der Freiflächen, Erschließungs- und Begegnungsflächen (Schulplatz, Pausenhöfe mit jeweils differenzierten Nutzungsangeboten)
  • differenzierte Aufenthaltsmöglichkeiten (Terrassen, regenschützte Loggien) im Gebäude
  • geeignete Sitzmöglichkeiten in Erschließungsbereichen
  • sonnen- und windgeschützte Bereiche in Freiflächen
  • individuelle Nutzung von Erschließungsbereichen als Kommunikations- und Lernorte mit entsprechendem Mobiliar, Beachtung bei der Flucht- und Rettungsweggestaltung (Abfolge Veranstaltungsbereich EG – kommunikative Treppen – geschossweise gemeinsame Mitten/Lernlandschaften – Foren in den Lernhäusern)
  • Qualifizierung von Verkehrsflächen als pädagogische Flächen in den Lernhäusern durch entsprechende Dimensionierung und Zonierung
  • Ausstellungsflächen für Schülerarbeiten in Erschließungsbereichen (Veranstaltungsbereich EG – geschossweise gemeinsame Mitten – Foren in den Lernhäusern)
  • mit Sitzmöglichkeiten ausgestattete Erschließungsbereiche sind mit Steckdosen, WLAN und ausreichender Beleuchtung und Tageslichtversorgung ausgestattet
  • Verglasung der Innentürelemente bzw. Türseitenfelder zwischen Unterrichtsräumen und Erschließungsbereiche – Sichtbezüge

5. Sicherheit

  • übersichtliche und gut einsehbare Anordnung von Wegeführungen, Innenhöfen und Aufenthaltsbereichen im Innen- und Außenraum sowie Stellplatzanlagen
  • Erhöhung der subjektiven Sicherheit durch Beleuchtung und einfache Orientierung

6. Schallschutz und Raumakustik

  • Berücksichtigung der Anforderungen aus DIN 4109 sowie ASR, insbesondere bei der Gestaltung der Lernhäuser (Trennwandmöbel, mobile Trennwände, Akustikbaffeln in allen Aufenthaltsbereichen der Lernhäuser)
  • Berücksichtigung der Straßenbahntrasse an der Allee der Kosmonauten im Fassadenkonzept

7. Tageslicht

  • optimierte Tageslichtversorgung, Daylight-Faktor ≥ 2 % durch sturzlose Fassadenkonstruktion
  • individuell regelbarer Sonnen- und Blendschutz (außenliegende Raffstores und innenliegender Blendschutz)
  • Tageslichtlenkung durch oberseitig verspiegelte Sonnenschutzlamellen
  • gute natürliche Belichtung der Innenbereiche (Lernhausforen durch großzügige Innenhöfe)
  • Sichtverbindungen durch Verglasungen zwischen Aufenthaltsräumen und von den Aufenthaltsräumen zu den Erschließungsbereichen und Lernhausforen

8. Raumklima

  • Nutzung passiver Möglichkeiten zur Optimierung des Raumklimas (Aktivierung Speichermasse des Gebäudes (Geschossdecken), Möglichkeit zur Quer- und Nachtlüftung bei gleichzeitig öffenbaren Fensterflügeln durch Anordnung witterungs- und einbruchschützender Lamellen vor den Öffnungsflügeln)
  • Zonierung der Gebäude in Bezug auf die Nutzungstemperatur
  • hocheffektive außenliegende Anordnung der Sonnenschutzeinrichtung
  • Beeinflussbarkeit von Lüftung (raumweise), Sonnenschutz (fensterweise), Blendschutz (fensterweise), Raumtemperatur, Tageslicht (fensterweise), Kunstlicht (raumbereichsweise)
  • bedienerfreundliche Anzeige und Bedienungselemente für Raumtemperatur und Luftvolumenstrom

9. Flächeneffizienz

  • hohe Flächeneffizienz durch Rationalisierung der Flächenverbräuche, Aktivierung der Verkehrsflächen durch multifunktionale Nutzungsangebote, geringe Schichtstärke der Außenwandkonstruktion (Holzrahmenbau)

10. Nutzungsflexibilität

  • Umsetzung des neuen pädagogischen Leitbildes in entsprechende Raum bzw. Gebäudestrukturen (Lernhausmodul)
  • Tragkonstruktion des Gebäudes und der Fenster bzw. Fassadengestaltungen lassen Umnutzung zu (Skelettbau, großzügiges Stützenraster, flexible Trennwandanschlüsse im 1,25-m-Raster, leichte Umbaubarkeit der nichttragenden Trennwände)
  • multifunktionale Nutzbarkeit der Mehrzahl der Unterrichtsräume
  • Zusammenschaltbarkeit von Unterrichtsräumen durch optional einsetzbare Verbindungstüren entlang der Fassade

11. Lebenszykluskosten

  • Beachtung Sparsamkeit und Angemessenheit bei den Herstellungs-, Nutzungs- und Unterhaltskosten (robuste dauerhafte Konstruktionen, einfache technische Lösungen)
  • Beachtung eines sehr guten A/V-Verhältnisses bei der Entwicklung der Gebäudekubatur (0,21)
  • optimierter Hüllflächen- und Fensterflächenanteil
  • einfache Umbaubarkeit von Ausbau, Trennwänden und Fassade durch modularen nichttragenden Aufbau
  • dauerhafte Fassade
  • geringe Energiekosten
  • gutes BGF/NUF-Verhältnis: 1,56

12. Flächenversiegelung

  • extensive Dachbegrünung zur Minimierung der Regenwasserspende
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas (z.B. Baumbestand, Anteil unversiegelter Freiflächen im Umfeld der Gebäude)

13. Baustoffe

  • Auswahl einer langlebigen, unterhaltsarmen Konstruktion
  • Nutzung nachwachsender Rohstoffe (Holzfensterkonstruktionen, Holz im Innenausbau, Linoleumböden etc.)
  • einfacher Austausch der Baustoffe

14. Endenergiebedarf

  • geringer Primärenergiebedarf

15. Energiebedarfsdeckung

  • optionale Energiebedarfsdeckung Solartechnik (Warmwasser, Strom)