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Mit dem Handy auf Schnitzeljagd

Mit dem Handy auf Schnitzeljagd

Astrid Hauskeller geht per GPS auf Schatzsuche. Dank ihres Hobbys Geocaching kommt sie an die frische Luft und erforscht ihre Stadt.

Wer Berlin entdecken will, kauft sich einen Stadtführer – oder er sucht nach „Dosen“. So wie Astrid Hauskeller. Die HOWOGE-Mieterin aus der Viktoriastadt geht in ihrer Freizeit auf Schnitzeljagd, mit modernsten Mitteln: Von Smartphone oder GPS-Navigationsgerät lässt sie sich zu einem Schatz führen, von dem sie nur Längen- und Breitengrad kennt. Bis auf fünf Meter genau führt sie der Satellit heran, dann nutzt Astrid Hauskeller Augen und Hände, um die dort versteckte Dose zu nden: ein kleiner wasserdichter Behälter mit einem Logbuch. In das darf sich die Finderin eintragen. Danach versteckt Astrid Hauskeller die Dose wieder am selben Ort für den nächsten Schatzsucher: „So entdecke ich Orte, an die ich sonst nie gekommen wäre“, schwärmt die 50-Jährige. Geocaching heißt ihr Hobby. „Man lernt viel“, betont Astrid Hauskeller. „An fremden Orten brauche ich keinen Touristenführer, sondern suche mir einfach eine schöne Dose raus.“

Über 2,5 Millionen Caches sollen weltweit versteckt sein. Das Wort Geocaching ist eine Kombination aus Geograe und „cache“, englisch für „Versteck“ oder „verstecken“. Am 2. Mai 2000 gab die US-Regierung die Satellitennavigation GPS zur zivilen Nutzung frei. Die militärisch gewollte Verzerrung der Geodaten wurde abgestellt. Seitdem gehen Millionen auf Dosenjagd. „Die GPS-Geräte funktionieren mittlerweile sehr genau“, weiß Astrid Hauskeller. Die Abweichung vom Ziel betrage höchstens zehn Meter. „Im Wald geht es am besten. In Berlin gibt es wegen der vielen Hochhäuser oft stärkere Abweichungen.“ Astrid Hauskeller nähert sich dem Ziel auf wenige Meter und sucht dann mit allen Sinnen weiter. „Auch eine einfache Dose findet man nicht immer auf Anhieb“, sagt die Geocacherin. „Dann muss ich mich auf Erfahrungen und Gefühl verlassen.“

Eines von Astrid Hauskellers schönsten Erlebnissen in Lichtenberg: eine Schatzsuche in der stillgelegten Konsum-Wurstfabrik an der Josef-Orlopp-Straße. Der sogenannte „Multicache“ führte über mehrere Stationen und Rätselaufgaben ans Ziel. „In der Räucherkammer roch es 15 Jahre nach der Schließung noch so, als wäre der letzte Schinken erst gestern ausgeliefert worden“, erinnert sie sich. In der Kantine gab es noch die Klappen, aus denen sich die hungrigen Mitarbeiter Brötchen fischen konnten. „Zu fünft haben wir alle geöffnet, um nach Hinweisen auf die Dose zu suchen.“ Die lag im Keller auf einem Heizungsrohr. „Für die Suche haben wir nur eine halbe Stunde gebraucht“, sagt Astrid Hauskeller. „Die restlichen vier Stunden haben wir gestaunt und fotografiert.“ Die alte Fleischerei wird inzwischen umgebaut, deshalb erzählt Astrid Hauskeller so oen von ihrem Fund. Sonst gilt beim Geocaching: „Nicht zu viel verraten, weil auch andere noch suchen wollen!“

Und sie suchen überall: Für Berlin sind derzeit rund 4.000 Caches verzeichnet. Viele davon im Grünen. „Manche mögen das Stadtcachen gar nicht“, erzählt Astrid Hauskeller. „Mit denen macht ein Cache im Wald viel Spaß, weil sie kein Problem damit haben, jede Baumwurzel nach der Dose abzusuchen.“ Egal ob Stadt oder Land: Besonders viel Spaß habe man beim Geocaching in der Gruppe, findet Astrid Hauskeller. Sie geht am liebsten mit ihrem Lebenspartner auf die Jagd. Der hat sogar einen Kletterkurs gemacht, um auch "Dosen" aus Bäumen holen zu können.

Onlinetipp

Viele Tipps, eine Handy-App und das größte Versteckverzeichnis gibt es auf www.geocaching.com

Smartphone oder Navigationsgerät

Smartphone oder Navigationsgerät führen den Geocacher per GPS Satellitensignal zum gesuchten Versteck.

Straßenleitpfosten


Zum Versteck
kann jeder öffentliche Ort werden, zum Beispiel Astlöcher oder Straßenleitpfosten.

Dose


„Dosen“
nennen Geocacher ihre wasserdichten Schatztruhen. Praktisch: Filmdose oder Plastikflaschenrohling.

Geocaching Logbuch

Das Logbuch ist eine schmale, lange Papierrolle. Auf ihr trägt der Finder Spitzname und Datum ein, um seinen Erfolg zu dokumentieren.