Mein Berlin

Zusehen, wie ein Viertel entsteht
Okt 2014

Zusehen, wie ein Viertel entsteht

Vor 30 Jahren herrschte Hochbetrieb im Stadtteil Hohenschönhausen: In wenigen Jahren wurde ein neues Viertel hochgezogen. Vier Mieter der ersten Stunde schwelgen in Erinnerungen.

Behutsam breitet Michael Hepold (64) einen vergilbten Bauplan auf einem Tisch im Nachbarschafts- haus des Ostseeviertels aus. Sofort beginnt eine Zeitreise in die Vergangenheit. Neu-Hohenschönhausen im Sommer 1984: Baugruben und Kräne, so weit das Auge reicht. Provisorische Teerpisten für Zementtransporter, lehmige Böden und weite Rieselfelder. „Am Mühlengrund waren schon einige Häuser gebaut, aber sonst nirgends, es gab nur Löcher“, berichtet Hepold. „Ich konnte geradeaus bis nach jwd gucken.“ Am nordöstlichen Rand Berlins entstand eine riesige Siedlung, bis 1989 wuchsen hier 35.000 moderne Wohnungen in den Himmel. Vor 30 Jahren lief das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm der DDR auf Hochtouren: Marzahn war schon fast fertig, als am 9. Februar 1984 in der Barther Straße der Grundstein für das neue Hohenschönhausen gelegt wurde. „Innerhalb einer Woche stand ein kompletter Block“, erinnert sich Michael Hepold, der damals als erster Polizist für das noch unfertige Ostseeviertel zuständig war. So kam er zu seinem vergilbten Bauplan. Mit grüner Farbe hat er nach und nach eingezeichnet, welche der geplanten Häuser fertiggestellt wurden. „Du konntest zugucken, wie das Viertel entsteht“, erinnert sich Klaus Beubler. Der heute 60-Jährige bekam mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern 1982 eine Wohnung in der Ahrenshooper Straße zugewiesen. „So eine schöne große Wohnung, das war ein Traum – mit Heizung!“, schwärmt Beubler. Fernwärme war damals keine Selbstverständlichkeit, Altbaustandard waren Ofenheizung und Außentoilette.

Der Komfort ist auch das Erste, woran sich Ute Kästorf (56) erinnert. 1986 zog die energische Frau mit den kurzen grauen Haaren in die Zingster Straße. „Meine zwei Kinder und ich hatten eine Dreizimmerwohnung mit Badewanne, die Tapete war schon drin“, erzählt Kästorf. „Ich hatte hier alles, was ich wollte, auf einem Fleck.“ Auch Karl-Heinz Schild hat seinen Heimatstadtteil sehr familienfreundlich erlebt. 1988 zogen er und seine Frau in den Welsekiez. „In jedem Karree gab es einen Kindergarten und eine Schule“, berichtet der 69-Jährige im Gespräch mit mieteinander. Kein Kind musste auf dem Schulweg große Verkehrsstraßen überqueren. Schon Erstklässler konnten morgens allein aufbrechen. „Die Stadtplaner haben sich damals viele Gedanken gemacht, wie sie den Menschen das Leben erleichtern könnten“, lobt Karl-Heinz Schild.

In der ersten Zeit bin ich wegen der Baustellen mit Gummistiefeln zum Einkaufen gegangen.

Zur Erinnerung an das vergangene Vierteljahrhundert hat Schild mehrere Notizbüchlein mitgebracht, dicht beschrieben und beklebt mit Zeitungsausschnitten. Der Rentner ist gut vorbereitet und zeigt sich beeindruckt von der sorgfältigen Planung der Hohenschönhausener Infrastruktur. „Wir hätten nie geglaubt, dass aus diesen Baugruben mal ein gut funktionierender Stadtbezirk wird“, erzählt Schild und lobt: „Glücklicherweise hat die HOWOGE schon seit 1996 durch eine umfassende Sanierung die Zukunft des Wohngebietes gesichert.“ Ganz klar: Die Neu-Hohenschönhausener schätzen ihr Viertel. Die Bindung ist auch deshalb so eng, weil sie bei der Entstehung in den 80er-Jahren mitgeholfen haben. „Als Hausgemeinschaft haben wir viel selbst gemacht“, berichtet Klaus Beubler: Hobbykeller ausbauen, Innenhöfe begrünen, Spielplätze anlegen. Als Vorsitzender seiner damaligen Hausgemeinschaftsleitung half Beubler dabei, diese „Subbotnik“ genannten Arbeitseinsätze in der Freizeit abzustimmen. „Das war ein schönes Arbeiten, weil die Menschen zueinander gefunden haben“, betont Beubler. Karl-Heinz Schild sieht noch heute die Früchte seiner Arbeit: „Die Bäume vor unserer Wohnung habe ich fast jeden zweiten Tag gewässert.“ Das Wasser konnte er aus einem Gemeinschaftshahn an der Hauswand zapfen. „Damals waren die Bäume kleine Büschel, heute haben sie solche Stämme“, sagt Schild und deutet mit seinen Armen einen gewaltigen Durchmesser an. Sein Lachen zeigt, dass er zufrieden ist mit seinen Bäumen – und mit seinem Stadtteil.

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