Mein Berlin

Wo Kunst zum Ereignis wird

Hallo Nachbar: Wo Kunst zum Ereignis wird

Der japanische Künstler Yukihiro Taguchi zeigt seine Werke nicht im Museum, sondern mitten im Alltagsleben. Sie entstehen spontan – manchmal wohnt er sogar in einem. Ein Gespräch über Momente der Kunst.

mieteinander: Herr Taguchi, wo finden Sie die Ideen für Ihre künstlerischen Aktionen?

Yukihiro Taguchi: Meistens finde ich sie einfach auf der Straße, zum Beispiel beim Spazierengehen. Oft baue ich auch Dinge aus Materialien, die draußen herumliegen. Ein Beispiel ist das Discuvry-Projekt, das ich gemeinsam mit Chiara Ciccarello begonnen habe. Auf dem Cuvry-Gelände in Kreuzberg haben wir 2013 ein Haus gebaut – nur aus Dingen, die wir auf der Straße gefunden haben. Darin haben wir auch eine Zeit lang gewohnt.

Wo finden Sie die Ideen für Ihre Kunst?

Die Umgebung ist für mich immer ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeiten, in denen ich Vergangenheit, gesellschaftliche Gegenwart und meine eigenen Erfahrungen miteinander verbinde.

Und wie kommt Ihre Kunst von der Straße ins Museum?

Ich halte die Entstehung meiner Installationen und meine Kunstaktionen in
Skizzen, Fotos und Videos fest, meistens in Zeitraffer. Die zeige ich in den Ausstellungen. Manchmal zieht auch eine ganze Installation um. Das Haus aus Kreuzberg bauen wir gerade ab und transportieren es in einem Container nach Koge in Dänemark. Dort wird es in einem Museum aufgebaut, und ich werde etwa einen Monat wieder darin wohnen. Wir stellen die Frage: Was braucht ein Stadtmensch zum Leben?

Sie leben seit zehn Jahren in Lichtenberg und kommen viel in der Welt herum. Was hält Sie hier in Berlin?

Berlin bietet viele Möglichkeiten für die künstlerische Arbeit. Hier leben viele junge Künstler und es gibt gute Ausstellungsorte. Vor zehn Jahren war es hier noch sehr einfach, günstige Räume zu bekommen – im Gegensatz zu anderen Metropolen wie New York, Tokio oder London, wo die Preise extrem hoch sind. Meine Wohnung und mein Atelier sind in Lichtenberg. Dort fühle ich mich wohl, es ist ein schöner und ruhiger Stadtteil.

Berliner Mauer
Taguchis Styropor-Dominospiel erinnerte 2009 an den Mauerfall

Die Berliner Mauer als Domino

Yukihiro Taguchi wurde 1980 in Osaka geboren und lebt seit zehn Jahren in Berlin. 2004 machte er an der „Nationalen Universität für Kunst und Musik“ in Tokio seinen Abschluss in der Fachrichtung Ölmalerei. Bald darauf zog es den jungen Künstler hinaus auf die Straßen der Großstädte. Dort findet er seine kreativen Ideen, die er in künstlerische Aktionen umsetzt und auf Fotos und Filmen festhält. Eine seiner bekanntesten Berliner Installationen war eine Mauer aus Styropor-Stelen. Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ließ er diese Kunstmauer wie ein Dominospiel umfallen.

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