Kiezgeschichten

Zu Wasser und zu Sand

Zu Wasser und zu Sand

Leistungsschwimmerin Verena Schott trainiert in Hohenschönhausen für die Paralympics – und meistert nebenbei vom Rollstuhl aus den Alltag mit Haushalt und zwei Kindern. Aus dem Leben einer HOWOGE-Mieterin.

mieteinander: Frau Schott, Ihre beiden Söhne sind ein und vier Jahre alt – wie schaffen Sie es, Familienleben und Leistungssport unter einen Hut zu bringen?

Verena Schott: Das ist eine Frage der Organisation. Wir wohnen gegenüber der Schwimmhalle. So habe ich einen kurzen Weg zu meinem täglichen Training. Mein Partner und ich stehen früh auf, bringen die Kinder zur Kita, und um 8.30 Uhr beginnt mein Training. Am Nachmittag hole ich die Kinder ab, spiele mit ihnen und kümmere mich um den Haushalt. Mein Partner übernimmt seinen Teil.

Wie sieht Ihre Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio aus?

Zuhause trainiere ich sechs- bis siebenmal pro Woche für zweieinhalb bis vier Stunden. Dazu kommt viermal Physiotherapie. Für die intensive Vorbereitung fahre ich regelmäßig für einige Wochen ins Trainingslager und trainiere dort zweimal täglich. Meine Familie kommt mit. Mein Partner ist auch mein Trainer, für die Kinder gibt es eine gute Betreuung, und sie sind manchmal beim Training dabei. Der Große kann sich schon prima selbst beschäftigen und kümmert sich mit um den Kleinen.

Seit einem Unfall sind Sie auf den Rollstuhl angewiesen. Wie kommen Sie zurecht?

Hervorragend! Ich habe mir immer Kinder gewünscht, und ich wollte immer schwimmen – am liebsten als Leistungssport. Beides habe ich bekommen, mehr brauche ich nicht. Im Alltag kann ich mich gut bewegen. Ich bin oft mit beiden Kindern hier in Hohenschönhausen unterwegs. Der Große passt schon gut auf, und der Kleine ist meist noch im Kinderwagen. Den schiebe ich mit den Füßen vor meinem Rollstuhl her. Das einzig Dumme ist, dass ich auf vielen Spielplätzen nicht weit komme, weil da Sand liegt. Aber der Rollstuhl hat sogar Vorteile: Die Kinder werden früh selbstständig. Mein Großer wird im Kindergarten oft gelobt, weil er gut aufräumt. Er weiß: Wenn zu Hause Sachen auf dem Boden liegen, komme ich nicht durch.

Die Paralympischen Spiele in Rio

Als eine der erfolgreichsten paralympischen Schwimmerinnen aus Deutschland hat Verena Schott gute Chancen auf Edelmetall. Bereits 2012 gewann sie die Silbermedaille über 200 Meter Lagen. Im vergangenen Jahr machte sie gleich nach ihrer Babypause den ersten Platz über 100 Meter Brust bei der Weltmeisterschaft. Mehr als 4.000 Spitzensportler aus 176 Ländern kämpfen vom 7. bis 18. September bei den Paralympischen Spielen im brasilianischen Rio de Janeiro um die Medaillen. Die Olympischen Spiele für Menschen mit Behinderung werden seit 1960 alle vier Jahre ausgetragen.

Ungehindert Sport treiben

Verena Schott trainiert im Berliner Schwimmteam – nur ein Sportverein unter vielen für Menschen mit Behinderung. Allein in den HOWOGE-Kiezen reicht die Vielfalt vom Hallen-Boccia übers Rollstuhlfechten bis hin zum Rudern mit gebärdenkundigem Steuermann. Eine Auswahl interessanter Disziplinen finden Sie auf www.howoge.de/ behindertensport