Kiezgeschichten

Zu schön zum Wegwerfen
Okt 2014

Zu schön zum wegwerfen

Aus einer alten HOWOGE-Baustellenplane macht Designerin Mareike Hadeler Spielzeug. Nur eine von vielen guten Ideen für nachhaltiges Wirtschaften.

Mareike Hadeler sitzt im Schneidersitz auf dem Boden ihres Ladens „Hoppla Charlotte“, in der Hand hält sie eine große Schere, auch Ledernadel und Garnrollen liegen bereit. Nur der „Stoffballen“ wirkt ungewöhnlich: Es ist eine gebrauchte Plastikplane. Früher diente diese als Werbefläche und informierte Passanten über die HOWOGE-Baustelle an der Treskowallee. Eigentlich landen die meterlangen Folien im Müll, doch hier in der Alfredstraße verwandeln sie sich in etwas Brauchbares. 

Der sportliche Look passt zu den dynamischen Farben Blau und Weiß der HOWOGE.

Wie wäre es mit einer Tasche, die man sich auf den Rücken schnallen kann? Den Planenstoff hat die junge Designerin mit der Zickzack-Schere ausgeschnitten. „Der sportliche Look passt zu den dynamischen Farben Blau und Weiß der HOWOGE“, erklärt Hadeler ihre Kreation, „wie bei einem guten Foto kommt es darauf an, einen spannenden Ausschnitt zu wählen.“ Das weiße „H“ aus dem HOWOGE-Schriftzug leuchtet etwas versetzt auf dem Taschendeckel: „Dazu ein roter Druckknopf als Farbklecks, damit es nicht langweilig wird.“ Auch ein Schlüsselband und einen Mini-Fußball hat Hadeler produziert. „Das bietet sich an, weil die Plane wetterbeständig ist“, erklärt die 32-Jährige.

Nach dem Studium in Maastricht und an der Berliner Universität der Künste eröffnete die gebürtige Lübeckerin 2011 ein Designbüro in Alt-Lichtenberg. Seit März dieses Jahres betreibt sie dort auch einen Laden für faire Öko-Mode. Berlin ist längst ein Labor für zukunftsfähiges Wirtschaften. Das Tourismus-Portal „Visit Berlin“ listet 24 Modelabels, die aus Alt Neu machen. Die Köpenicker Firma „ReUse“ bringt zum Beispiel alte Computer wieder zum Laufen. Das Wort Nachhaltigkeit fällt dabei oft. „Der Begriff kommt aus der Forstwirtschaft“, erklärt Mareike Hadeler. „Übertragen auf das Industriedesign bedeutet er, schon bei der Entwicklung darauf zu achten, dass eine Weiterverwendung des Produkts oder zumindest der Materialen gewährleistet ist.“ Der Klassiker: ein Senfglas. Das könne man ohne Bearbeitung und Transport als Trinkglas weiterverwenden.

Um diese zukunftsweisende Wirtschaftsform voranzubringen, hat Mareike Hadeler das Sustainable Design Center mitgegründet. Bei Nahrung und Kleidung gehört die nachhaltige Produktion schon zum Alltag, „denn da geht es um Dinge, die dem Menschen ganz nahe kommen“, sagt Mareike Hadeler. Die meisten besitzen längst ein Gespür für Nachhaltigkeit, was auch der Nachbar von „Hoppla Charlotte“ zeigt: Auf dem Fenstersims nebenan hat er Porzellangeschirr abgestellt – zu verschenken. Als Hadeler zu nähen beginnt, ist das Service noch komplett, als sie abends aufräumt, haben alle Teile einen neuen Besitzer gefunden.

Upcycling: alte Baustellen-Plane wird wetterfeste Tragetasche

Zukunftsfähiges
Wirtschaften

liegt der HOWOGE am Herzen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2013/2014.

Messe für Nachhaltigkeit

Der „Heldenmarkt“ ist eine Messe für nachhaltiges Wirtschaften. So erhalten Gäste im Repair-Café Tipps, wie sie ihre Lieblingsstücke reparieren können. 15./16. November, 10–18 Uhr, Straße der Pariser Kommune 8, 
www.heldenmarkt.de/berlin

Hoppla Charlotte

Mareike Hadeler verkauft in ihrem Laden nachhaltig produzierte Kleidung. Alfredstr. 4, Di–Sa 10–16 Uhr, www.hopplacharlotte.de