Kiezgeschichten

Zeichnen im ganz großen Stil
Mär 2015

Zeichnen im ganz großen Stil

Zum Jubiläum erhält Hohenschönhausen ein sehr großes Geschenk: ein Wandgemälde. Zu Besuch bei den Künstlern von KLUB7 – echten Profis, wenn es um Fassadenkunst geht.

Künstler fürchten sich manchmal vor dem leeren Blatt Papier, das sie füllen sollen. Die sieben jungen Menschen von KLUB7 aber kennen keine Angst. „Wir arbeiten meistens im öffentlichen Raum: auf Wänden, Autos oder Litfaßsäulen“, erklärt Christian Heinicke. Mit 37 Jahren ist der gebürtige Hallenser der Älteste im KLUB7-Team. „Ein A3-Format ist für uns eigentlich viel zu klein“, sagt er und lacht. „Wenn jeder seinen Beitrag leisten möchte, braucht es schon eine bestimmte Größe, damit alle sich frei bewegen können. “Im Frühling 2015 können sich die Künstler von KLUB7 an einem besonders gewaltigen Objekt beweisen. Ab Anfang Mai bemalt das Kollektiv eine Giebel-Fassade in Hohenschönhausen. Schon im vergangenen Jahr hatte KLUB7 am Wettbewerb der Kunst-Initiative Lichtenberg Open ART (LOA Berlin) teilgenommen. Der Gewinner durfte 2014 die Fassade in der Landsberger Allee 228 B gestalten. Schon damals war klar, dass die HOWOGE auch mit dem Zweitplatzierten ein Fassadenkunstwerk realisieren kann. Und so kommt es nun: Die sieben Künstler schaffen ein neues Wandgemälde – als Geschenk zum 30. Jubiläum von Hohenschönhausen. KLUB7 hat drei Entwürfe erarbeitet, aus denen der LOA-Beirat einen ausgewählt hat. Das Ergebnis steht ab April auf www.howoge.de.

Die Arbeit in der Großsiedlung Hohenschönhausen ist für viele KLUB7-Mitglieder eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. Ingo Alb- recht wurde 1979 in Halle-Neustadt geboren. „Unsere Entwicklung hat viel mit Plattenbau zu tun“, sagt der 35-Jährige. „Ich bin im elften Stock aufgewachsen.“ Sein Interesse für Kunst wurde zwischen hohen Wohnblocks geweckt. Sein Lieblingswerk war ein Wandmosaik aus Keramikfliesen von Josep Renau: abstrakte Figuren aus Industrie und Raumfahrt. „Das Bild war unheimlich farbenreich und gleichzeitig sehr diszipliniert“, erinnert sich Ingo.In Halle sprühten Ingo und Christian auch ihre ersten Graffitis an eine „Hall of Fame“.So heißen Wände, die man legal bemalen darf. Später studierten sie Industriedesign auf der traditionsreichen Burg Giebichenstein in Halle, wie die meisten Mitglieder von KLUB7. So entstand allmählich das Kunst-Kollektiv, offizielles Gründungsdatum war 1998. „Wenn man allein arbeitet, hat man manchmal weniger Lust“, gesteht Christian Heinicke. „Aber da wir meistens zusammenarbeiten, motivieren wir uns gegenseitig.“ Wie schnell sie sich gegenseitig anstecken, zeigt sich im Atelier von KLUB7 in der Dolziger Straße, einer alten Werkstatt in einem Friedrichshainer Hinterhof: In den Regalen stapeln sich Schraubzwingen, Klebebandrollen und bunte Lackdosen. Auf dem Boden liegen Pinsel, Malerrollen und Farbkübel. Das Handwerkszeug griffbereit, kann Kunst sofort beginnen. Mit dabei: Christian, Ingo und ihr Kollege Ludwig Stender (35). Die drei Jungs räumen eine Ecke frei und fangen an, auf die weiß getünchte Wand zu malen. Ingo setzt mit einem dicken Acryl-Marker schwarze Linien in den leeren Raum. Christian trägt mit einer Malerrolle breite Farbflächen in Türkis auf. Jeder Künstler beginnt in einem Eck. Langsam breiten sich die Zeichnungen aus, gehen ineinander über und ergeben schließlich ein gemeinsames Werk.

Den Spaß sieht man unserer Arbeit an. Sie ist nicht so kompliziert, sondern locker.

„Oft fängt einer an, und die anderen schauen zu“, erzählt Ludwig. „Ich lasse mich von Ingos Strichen inspirieren und denke mir dann: Da könnte ich jetzt was dazu machen.“ Spricht’s und greift sich eine Deckenbürste. Ludwig streicht dicke schwarze Rechtecke auf die Mauer, eines nach dem anderen. Das Muster erinnert an eine Ziegelsteinmauer. Schweigend arbeiten die drei Männer vor sich hin, nur die Pinsel schmatzen leise. „Den Spaß sieht man unserer Arbeit an. Sie ist nicht so kompliziert, sondern locker“, betont Ingo. KLUB7 sind deshalb perfekte Partner für Lichtenberg Open ART, das möglichst viele Menschen für Kunst begeistern will. Wenn das Werk in Hohenschönhausen entsteht,kann jeder den Künstlern über die Schulter schauen. Parallel sind Aktionen für Kinder und Jugendliche geplant. Für die richtige Motivation sorgen die Jungs von KLUB7. „Die Stärke von Graffiti-Leuten ist es ja, Gruppen für ein Bild zusammenzubringen“, erklärt Ingo. Wichtig sei die Spontaneität. „Sobald man auf eine Wand zeichnet, hat das etwas Offizielles“, hat Ingo beobachtet. „Es entsteht sofort der Eindruck, es müsse etwas Gutes werden.“ Einfach mit Kreide auf die Straße zu zeichnen sei der bessere Einstieg. „Wenn Kreidestücke am Rand liegen, greifen Kinder gern zu und die Hemmschwelle ist gering.“ Perfektion sei am Anfang noch nicht wichtig, sagt auch Ludwig: „Entscheidend ist, dass man sich bewegt und gemeinsam etwas schafft. Zeichnungen sind wie Musik: Sie sind dann am schönsten, wenn sie entstehen.“

KLUB7 gehen auf Tournee

Die erste Ausstellung ist in Berlin: 28. April bis 29. Mai, Stralauer Allee 3. Weitere Infos unter www.klub7.de 

Fassadenfest im Juni

Zur Einweihung des neuen Fassaden-Kunstwerks gibt es ein großes Fest mit vielen Aktionen. 12. Juni, 16 Uhr, Warnitzer Str. 22

Bären für Hohenschönhausen

Berliner Promis bemalen einen Buddy Bären für Hohenschönhausen – und vielleicht auch Sie? Werden Sie kreativ und gestalten Sie einen Buddy Bären! Das sind die bunten Zwei-Meter-Figuren mit erhobenen Tatzen, die in aller Welt für Berlin stehen. Zum 30. Gründungstag von Hohenschönhausen spendiert die HOWOGE sechs Buddys. Einen könnten Sie gestalten, natürlich mit Unterstützung eines Künstlers. Bewerben Sie sich bis 17. April.

Infos in Ihrem Kundenzentrum und auf www.howoge.de/30JahreHSH

Buddy Bär
Hohenschönhausen wird 30 Jahre. Sechs Buddy Bären gratulieren zum Jubiläum.