Kiezgeschichten

Übersetzen zwischen Mensch und Hund

Übersetzen zwischen Mensch und Hund

Bei Anja Meier lernen Vier- und Zweibeiner, richtig zu kommunizieren. Die Hausaufgabe für Herrchen oder Frauchen lautet meist: Lobe den Hund, so oft du kannst.

Ein Hund liegend

Lichtenberg ist ein gutes Pflaster für Hunde: viel Grün und ausreichend Platz zwischen den Häusern. „Mit einem Hund sind breite Gehwege praktisch“, sagt Anja Meier (28), „da kann man leichter ausweichen.“ Das sei oft entspannend für Mensch und Tier. Denn beide sind manchmal im Stress. Berlin fordert einiges, vor allem von einem Hund: die vielen Menschen, die duftenden Essensreste, ungewöhnliche Geräusche – von der Sirene bis zum Gläserklirren. „Eine halbe Stunde in der Stadt kann für einen Hund so anstrengend sein wie mehrere Stunden auf dem Land“, erklärt Anja Meier. Deshalb sollte der Halter seinem Freund viele Pausen gönnen.

Die gebürtige Lichtenbergerin weiß, wie Hunde ticken: Sie ist IHK-geprüfte Hundeerzieherin und betreibt seit 2015 die Hundeschule „Art of Life“. Eine wichtige Lektion ihres Unterrichtes lautet: Nützlicher als ein elegantes „Platz!“ sind alltagstaugliche Signale. Zum Beispiel ein „Stopp!“, das der Hund versteht, wenn’s darauf ankommt. Etwa an der Ampel. Oder der Rückruf „Hier!“, wenn ein anderer Hund naht. „Wenn ich dem Hund ein Signal in der Wohnung beigebracht habe, weiß er noch nicht, dass es auch auf der Straße gilt“, erläutert Anja Meier. Wichtige Regeln sollten Halter und Hund deshalb permanent und an verschiedenen Orten üben. Am besten dann, wenn wenig stört und beide entspannt sind. Im Alltag ist das meist anders: Da ruft Herrchen nur, wenn ein anderer Hund kommt. So schleicht sich ein Missverständnis ein: Herrchen ruft – und der Hund hält Ausschau. Er ist überzeugt: „Stopp!“ ist ein Hinweis auf etwas Interessantes. Nur eines von vielen Missverständnissen zwischen Mensch und Tier. Der Halter muss sich immer klarmachen: Der Hund spricht eine andere Sprache. Aber Anja Meier hilft bei der Übersetzung. Und zum Üben ist in Lichtenberg Platz genug.


Kennen Sie diese Hunderegeln?

Warnbellen wahrnehmen

Mit einem leisen „Wuff“ warnt der Hund sein Herrchen, etwa wenn es klingelt. Zeigen Sie ihm dann, dass alles in Ordnung ist. Wird das Warnbellen häufig ignoriert, fühlt sich der Hund genötigt, immer lauter zu warnen. 

Auf den Arm nehmen

Oft ist es sinnvoll, einen kleinen Hund aus einer Problemsituation herauszuheben. Eine U-Bahn-Fahrt ist auf dem Schoß erträglicher. Aber in der Regel fühlt sich der Hund auf Ihrem Arm gefangen, weil er von dort nicht weglaufen kann. 

Den Kopf schonen

Die wenigsten Hunde lassen sich drau-ßen gerne tätscheln. Schon gar nicht am Kopf. Außerhalb der Wohnung gilt: Weniger ist mehr. In „freier Wildbahn“ irritieren Zärtlichkeiten den Hund eher, als dass sie ihn belohnen.