Kiezgeschichten

Sattel statt Sofa
Mär 2016

Sattel statt Sofa: 2.015 Kilometer und viele neue Freunde in 25 Tagen

Mit dem Fahrrad besuchte Stephen Rakowski im 25. Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung alle europäischen Partnerstädte des Bezirks Lichtenberg. Ein Reisebericht.

Europa kennen lernen, neue Menschen treffen und fremde Kulturen erleben – das war für Stephen Rakowski die Motivation, um zu einer 2.015 Kilometer langen Fahrradtour in Richtung Osteuropa aufzubrechen. In 25 Tagen radelte der Inhaber des Fahrradladens „Radelkowski“ von Lichtenberg aus durch Polen bis nach Litauen und wieder zurück. Auf seiner Tour besuchte er die vier Partnerstädte seines Stadtbezirks: Zuerst ging es nach Warschau, dann an die weißrussische Grenze nach Hajnowka. Die nächste Station war Jubarkas in Litauen, und auf dem Rückweg nach Berlin schaute Rakowski in der russischen Exklave Kaliningrad vorbei. „Det war ne dolle Sache“, resümiert der gebürtige Berliner, „ich habe viel gelernt, und alle, die ich getroffen habe, waren offen und hilfsbereit.“

Besonders aufgefallen ist ihm die begeisterte Gastfreundschaft der Menschen: „Alle haben versucht, deutsch zu sprechen und haben sich gefreut, wenn sie ein paar Brocken anbringen konnten.“

In Hajnowka spendierte ihm die Gemeinde nicht nur eine Hotelübernachtung, sondern auch ein umfangreiches Kultur- und Besichtigungsprogramm in Begleitung einer Stadtführerin. „Ick kam mir vor wie‘n Staatsgast“, schmunzelt Rakowski bei dieser Erinnerung. Beeindruckt hat ihn die Kultur des christlich-orthodoxen Glaubens, über die er bei seinem Besuch viel erfahren hat. In Jubarkas organisierten die Repräsentanten der Stadt sogar spontan ein Fest für ihren Gast – mit Tanz, Kindertheater und Lagerfeuer. „So was erlebt man nicht, wenn man zu Hause auf dem Sofa sitzen bleibt“, stellt der reiselustige Lichtenberger fest.

Die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und andere Länder kennenzulernen, genießt Stephen Rakowski jedes Mal aufs Neue. Mit seiner Tour durch Osteuropa feiert er auch 25 Jahre Reisefreiheit seit dem Mauerfall. Beruflich hat ihn die Wende erst einmal aus der Bahn geworfen. Stephen Rakowski war lange arbeitslos, bis er im Jahr 2002 seinen ersten kleinen Fahrradladen eröffnete. Der Sprung in die Selbstständigkeit hat sich ausgezahlt. Seit 2009 betreibt er den Laden „Radelkowski“ in Lichtenberg gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Gabor Pflüger. „Der Laden war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Stephen Rakowski.

Trotz der vielen Arbeit bleibt Zeit für tolle Touren. Schon zum 20. Jahrestag 2010 ist der Familienvater 2.010 Kilometer durch Deutschland geradelt und hat historische Orte wie die Brücke von Torgau besucht. Seine zweite große Radtour von 2015 zu den Partnerstädten Lichtenbergs sieht er als Symbol: „Partnerschaft ist anstrengend und man hat immer wieder mit Gegenwind zu kämpfen – aber sie lohnt sich“.

24 Tage auf dem Rad

Stephen Rakowski

Rathaus Lichtenberg: Am 8. September 2015 startet Stephen Rakowski seine Osteuropa-Tour. Die 2.015 Kilometer lange Strecke führt ihn zu vier Partnerstädten seines Heimatbezirks Lichtenberg in Polen, Litauen und Russland.

Gastgeschenk mit Schlaufen

Warschau

Sechs Tage braucht Stephen Rakowski für die 650 Kilometer nach Warschau-Białołęka. Der Bürgermeister bekommt als Mitbringsel einen von der HOWOGE spendierten Stoffbeutel mit der Aufschrift „I love Lichtenberg“. Der wiegt zum Glück fast nichts.

Leichte Kost

Mittagspause

2.015 Kilometer in 25 Tagen schafft man nur mit einer guten Einteilung von Zeit und Proviant: täglich 80 Kilometer, 35 vor der Mittagspause (Käse, Wurst, Brot und Kaffee). Die restliche Tagesstrecke bis zum Abend ist dann ein Kinderspiel.

Staatsgast auf zwei Rädern

Hajnowka

Die polnische Gemeinde Hajnówka an der Grenze zu Weißrussland spendiert dem Lichtenberger eine Nacht im Hotel und ein Besichtigungsprogramm mit deutschsprachiger Stadtführerin. „Ick kam mir vor wie‘n Staatsgast“, sagt Stephen Rakowski.

Kirchtürme wie Kerzenflammen

Orthodoxe Kirche

Hajnówka ist eine russisch-orthodoxe Enklave im sonst so katho­lischen Polen. Hier erfährt Stephen Rakowski, warum orthodoxe Kirchen Zwiebeltürme ha­ben: Ihre Form gleicht einer Kerzenflamme und symboli­siert das Licht der Welt.

Erste Fremdsprache: Deutsch

Jurbarkas

Der herzliche Empfang in Jurbarkas (Litauen) beeindruckt Stephen Rakowski: „Alle haben sich gefreut, wenn sie ein paar Brocken Deutsch anbringen konnten.“ Deutsch wird in Polen und Litauen als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt.

Klimaschützer unter sich

Handshake in Jurbarkas

Der Bürgermeister von Jurbarkas, Skirmantas Mockevičius, lässt es sich nicht nehmen, den klimafreundlichen Reisenden persönlich zu begrüßen. Im gleichnamigen Landkreis ging 2015 das erste Windkraftwerk Litauens in Betrieb.

Volkstanz und Lagerfeuer

Volkstanzgruppe

In Jubarkas organisieren die Repräsentanten der Stadt ein Fest für ihren Gast – mit Tanz, Kindertheater und Lagerfeuer. Litauen ist bekannt für seine Volksmusiktradition. Das World Lithuanian Song Festival hat rund 35.000 Mitwirkende.

Nonstop bis Kaliningrad

Kaliningrad (Königsberg) ist die letzte Partnerstadt auf der Tour. Zwischen Jasnaja Poljana (Trakehnen) und der russischen Enklave gibt es kein Hotel. Da hilft nur eines: 155 Kilometer durchradeln! Der herzliche Empfang entschädigt für die Anstrengung.

Pannenhilfe mit Zeichensprache

Pannenhilfe

Rückweg: 590 Kilometer. Stephen Rakowskis DDR-Rennrad läuft tadellos. Erst vor Malbork (Marienburg) reißt eine Speiche. „Der Hausmeister im Hotel verstand kein Deutsch“, erzählt der Radler, „aber stellte sofort seine Werkstatt zur Verfügung.“

Willkommen zu Hause!

Rathaus Empfang

Zurück in Lichtenberg nach 25 Tagen! Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro begrüßt Stephen Rakowski. Sein Fazit zur Partnerstädte-Radtour: „Partnerschaft ist anstrengend. Man hat immer mit Gegenwind zu kämpfen – aber es lohnt sich.“

Auf nach Wien

Radelkowski

In seinem Fahrradladen „Radelkowski“ in der Weitlingstraße plant Stephen Rakowski schon die nächste Tour: Warum nicht im Jahr 2020 die 2.020 Kilometer von Berlin über Warschau nach Wien radeln? Der Stadtteil „Margareten“ soll Partnerbezirk werden …

Weitere Fotos von der Rakowski-Tour gibt es auf der Website des Bezirks Lichtenberg:
www.berlin.de/ba-lichtenberg/ueber-den-bezirk/partnerstaedte/

Übrigens: Der Bezirk Lichtenberg unterstützt alle Bürger, die Ideen für grenzüberschreitende Aktionen haben. Ansprechpartnerin ist:

Karin Strumpf
Beauftragte für Städtepartnerschaften
(030) 902 96 33 06
Karin.Strumpf@remove-this.lichtenberg.berlin.de

Die schönsten Radtouren für den Berliner Osten

Mit dem Fahrrad kommt man am besten durch eine große Stadt wie Berlin – besonders im Frühling und Sommer. Hier finden Sie interessante Radrouten für den Osten Berlins und sein grünes Umland.

Grünes Lichtenberg

Die Fahrradtour durch den Bezirk Lichtenberg beginnt im City-Trubel und endet in einem der schönsten Naturschutzgebiete Berlins. Startpunkt ist das riesige Gelände des Hohenschönhausener Sportforums, aber schon bald erreicht man die ersten Naturoasen: den Obersee, den Faulen See, den Malchower Auenpark. Über den alten Dorfkern Wartenbergs geht’s ins Falkenberger Luch, ein 25 Hektar großes Naturschutzgebiet. Rund 35 Vogel- und über 300 Pflanzenarten haben Biologen hier gezählt. Wer die knapp 18 Kilometer geschafft hat, belohnt sich im Café Lehmsofa der Dorfkate Falkenberg mit Kaffee und Kuchen.
www.visitberlin.de/de/artikel/tour-29-fahrradtour-durch-lichtenberg

Fußball mit dem Fahrrad


Fußballfans können die reiche Ballsportgeschichte Berlins auf drei „Fußballrouten“ erkunden, alle starten am Brandenburger Tor. Route 1 führt über Kreuzberg und Neukölln bis nach Oberschöneweide. Dort, in einem kleinen Lokal in der Plönzeile 41, gründeten am 17. Juni 1906 Lehrlinge der AEG den Fußball-Klub Olympia – die Keimzelle des 1. FC Union. Schlusspunkt der Route ist dann auch dessen Heimstadion an der Alten Försterei, das größte reine Fußballstadion Berlins. Für alle Fußballrouten hat der ADFC Berlin verkehrsarme und damit familienfreundliche Fahrradroutenpläne erstellt. Diese können Sie als PDF oder gleich als GPS-Track herunterladen.
www.fussballrouteberlin.de

Geschichte hoch zu Drahtross

Der Bezirk Lichtenberg hat zehn Rad- und Wanderkarten herausgegeben. Eine spannende Mischung aus historischen und Naturdenkmälern bietet die Ufer-Tour an der Rummelsburger Bucht. Aus früheren Zeiten zu bestaunen gibt es hier ein Gefängnis, ein Waisenhaus und einen Schrotkugelturm. Dort in der Victoriastadt wurden ab 1908 Gewehrkugeln produziert. Noch älter ist ein Naturdenkmal auf dieser Strecke: die 200-jährige Platane an der Hauptstraße.
www.berlin.de/ba-lichtenberg/auf-einen-blick/freizeit/gruen/artikel.322091.php

 
Weitere Berliner Radrouten finden Sie auf www.fahrrad.visitberlin.de und www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/mobil/fahrrad/radrouten

Erst Warschau, bald Wien

Hauptberuflich verkauft und repariert Stephen Rakowski Fahrräder. Bekannt ist der Lichtenberger aber für seine Touren. Vor seiner Partnerstädtereise hat er 2010 schon Deutschland durchquert. Seine Idee für den 30. Jahrestag der deutschen Einheit 2020: 2.020 Kilometer von Berlin über Warschau nach Wien. Der Stadtteil Margareten soll neuer Partnerbezirk von Lichtenberg werden. „Unterwegs ist jede Entscheidung, die man trifft, die richtige“, sagt der Langstreckenradler. „Da quatscht einem einfach keener rin.“

Fahrradladen Radelkowski
Weitlingstr. 33 
(030) 50 01 88 99
www.radelkowski.de

Fahrradtipps vom „Radelkowkski“

So machen Sie Ihren Drahtesel frühlingsfit

Auf den Frühling vorbereiten

Anfang März ist noch eine gute Zeit, um sich auf die ersten Radtouren im Frühling vorzubereiten. „Lassen Sie Ihr Fahrrad jetzt schon durchchecken, bevor im April alle auf die Idee kommen“, rät Stephen Rakowski. „Jetzt haben die Profis in der Werkstatt noch Zeit.“ Auch für die Tourenplanung bieten sich die Wintermonate an. „Dann können Sie in den ersten Frühlingstagen direkt starten.“ Schöne Routen in Berlin finden Sie hier.

Sicherheit hat Vorfahrt

Die wichtigsten Punkte beim Sicherheitscheck sind die Bremsanlage, die Bereifung, das Licht, die Lager und das Schaltgetriebe. Häufig greifen die Streumittel im Winter das Getriebe an. Einmal im Jahr sollten die Züge für Bremse und Schaltung erneuert werden. Wer lange Freude an seinem Fahrrad haben will, darf nicht am Schloss sparen und sich für den Alltag um einen sicheren und trockenen Unterstellplatz bemühen.

Guter Rat fürs neue Rad

Fixie, Crossrad oder Pedelec? Wer ein neues Fahrrad kaufen möchte, sollte sich vorher Gedanken machen. Wozu soll das Rad gut sein: Nur für die Fahrt zur Arbeit? Als Lastesel? Zur Alpenüberquerung? Wer weiß, was er will, hilft dem Verkäufer bei der Beratung, denn die Auswahl ist riesig. Legen Sie außerdem ein Budget fest, rechnen Sie dabei Helm und Schloss mit ein: