Kiezgeschichten

Opa und Oma auf Zeit: die Patengroßeltern vom Dolgenseekiez

Opa und Oma auf Zeit:
die Patengroßeltern vom Dolgenseekiez

Die „Berliner Familienfreunde“ vermitteln Patengroßeltern an junge Familien. Das entlastet die Eltern – und macht allen Beteiligten viel Freude.

Kind und Opa stecken Plätzchen aus

Warte, ich helfe dir …“, sagt Uwe Zander (69) und betrachtet die Teigkugel, die vor ihm auf dem Küchentisch liegt. Während der dreijährige Daniel (Name geändert) neben ihm mit der Akribie eines Uhrmachers Sterne, Herzen und Tannenbäume in den ausgewalzten Teig stanzt, muss Uwe Zander rasch für Nachschub sorgen. Er setzt das Nudelholz an die Teigkugel an. Zanders kräftige Männerhände mühen sich mit dem Mini-Küchengerät für Kinder ab. Als Daniel das bemerkt, nimmt er selbst die kleine Walze, und prompt ist ein weiterer Teig ausgerollt – fertig zum Ausstechen von noch mehr Sternen, Herzen und Tannenbäumen. Uwe und Daniel sind ein eingespieltes Team, nicht nur beim Backen. Sie verbringen auch sonst viel Zeit miteinander. Die Dritte im Bunde ist Renate Bierhals, die Lebenspartnerin von Uwe Zander. „Daniel ist ein liebenswerter Junge“, schwärmt sie. „Mit ihm sehe ich die Welt durch Kinderaugen.“

Daniel mit Patenopa Uwe Zander
Daniel mit Patenopa Uwe Zander, Mutter Nele
und Patenoma Renate Bierhals (von links)

Die freie Zeit von Renate Bierhals und Uwe Zander reicht nicht nur für die eigenen Enkel, sondern auch für Daniel. In ihrer Freizeit sind sie seine Patengroßeltern. Sie kümmern sich um Daniel, dessen Mutter Nele (Name geändert) auf sich allein gestellt ist. „Ich war selbst alleinerziehende Mutter und weiß, wie schwierig so eine Situation sein kann“, sagt Renate Bierhals. Vor rund zwei Jahren hatte die 69-Jährige von den „Patengroßeltern“ gehört, einem Projekt des Vereins „Berliner Familienfreunde“. „Wir wollen Familien helfen, die nicht so einfach auf die Unterstützung von Großeltern zurückgreifen können“, erklärt Projektleiterin Birgit Plank. Aktuell sind 15 Senioren als Patenopas und -omas ehrenamtlich aktiv, weitere werden gesucht. „Die Warteliste von Familien, die Unterstützung brauchen, ist lang“, so Plank. 

Daniel mit Patenopa Uwe Zander

„Die Patengroßeltern geben mir Freiräume im Alltag“, sagt Nele. Ihr Sohn verbringt jede Woche zwei bis drei Stunden bei Uwe und Renate – so nennt Daniel seine Paten. „Ich lebe mit Daniel allein, meine eigenen Eltern wohnen in Stralsund, und ich sehe sie deshalb selten“, berichtet Nele. Die 25-Jährige kam nach Berlin, um eine Ausbildung zur Altenpflegerin zu machen. Doch als Daniel geboren wurde, änderte sich alles. Die Hebamme hatte Nele auf das Projekt der Berliner Familienfreunde aufmerksam gemacht. Mittlerweile, erzählt die junge Mutter, gehören Renate und Uwe fast zur Familie. „Mein Sohn kann viel von ihnen lernen“, sagt sie. Auch sie hole sich oft Rat bei den beiden. „Ich kann immer auf Renate und Uwe zählen.“

So werden Sie Patenoma oder Patenopa

Spielen, basteln, spazieren gehenZusammen mit einem Enkel lachen und die Welt entdecken – als Patenopa oder Patenoma können Senioren einem Kind ehrenamtlich ihre Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Sie gehen gemeinsam nach der Kita auf den Spielplatz, basteln oder spielen Gesellschaftsspiele. Interessenten sollten Freude und Erfahrungen im Umgang mit Kindern haben und eine gewisse Fitness mitbringen.
Vorbereitung und UnterstützungVor dem Start in die „Wunschfamilie“ werden Patengroßeltern gut vorbereitet. Ein Erste-Hilfe-am-Kind-Seminar, ein Seminar zur Aufsichtspflicht und regelmäßige Teamtreffen bieten Austausch mit anderen Ehrenamtlichen. Ansprechpartnerin ist Birgit Plank. Informationen unter (030) 85 71 46 56 oder info@remove-this.berliner-familienfreunde.de
Der VereinDer Verein „Berliner Familienfreunde“ setzt sich seit seiner Gründung vor sechs Jahren generationenübergreifend für junge Familien ein. Ziel ist es, junge Mütter und Väter von Anfang an zu begleiten, damit das „Abenteuer“ Familie gelingt und Kinder gesund aufwachsen können – unabhängig von Herkunft und Einkommenssituation. www.berliner-familienfreunde.de
FamilientreffMittelpunkt der Vereinsarbeit ist der gemütliche Familientreff im Dolgenseekiez. Hier greifen Eltern auf ein familienunterstützendes Netzwerk zurück. Vormittags kommen Eltern mit Babys in die Babygruppe, in die Musikgruppen oder zum Frühstück. Nachmittags lädt an zwei Tagen das Familiencafé zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen ein. Besondere Highlights, wie Puppentheater, Vorlesestunden und verschiedene Themenabende für Eltern runden das Programm ab. Dolgenseestr. 21, Telefon: (030) 85 71 46 56, www.berliner-familienfreunde.de


"Wir helfen Familien, die nicht so einfach auf Unterstützung von Großeltern zurückgreifen können."

Patengroßeltern


Derzeit sind 15 Patenopas und Patenomas aktiv, weitere werden dringend gesucht