Kiezgeschichten

Muskeltraining am Konferenztisch
Jun 2015

Muskeltraining am Konferenztisch

In vielen Lichtenberger Nachbarschaftshäusern trainieren Menschen mit körperlichen Beschwerden wie Hüftarthrose. Hier gilt: Schon ein bisschen Bewegung hilft sehr viel!

Renate Klaus trainiert täglich ihre Muskeln – nicht schwitzend mit Hanteln, sondern unauffällig, zum Beispiel in der Lehrerkonferenz. Die 62-Jährige unterrichtet Chemie und Mathematik in Dahlem. Ihre Trainingseinheiten dauern nur wenige Minuten. „Die Kollegen links und rechts merken davon gar nichts“, versichert Renate Klaus. „Ich spanne die Muskeln im Oberschenkel für einige Sekunden an und lasse dann wieder locker.“ Der Lohn der Mühe sind keine Muskelpakete, sondern etwas Besseres: Beweglichkeit. Auch nach einer Drei-Stunden-Sitzung steht Renate Klaus nun leichtfüßig auf. Das war nicht immer so. „Vor einem Jahr bin ich oft nicht vom Stuhl hochgekommen“, berichtet sie. Der Grund: Arthrose im rechten Hüftgelenk. „Als die Schmerzen bei mir im Bein ausbrachen, konnte ich kaum noch Treppen steigen“, sagt Renate Klaus. Ein Vierteljahr lang war die Lehrerin krankgeschrieben. Zwar bekam Renate Klaus einige Sitzungen Physiotherapie verschrieben, aber für nachhaltiges Training blieb in jeweils 15 Minuten kaum Zeit. Den Weg zur Besserung fand Renate Klaus unerwartet – beim Literaturabend im Nachbarschaftshaus Kiezspinne. Dort entdeckte sie eine Anzeige für die „Hüfte-Rücken-Knie-Gang-Schule“. Im Mai 2014 nahm Renate Klaus erstmals teil. „Schon im Juni habe ich gespürt, dass mir Bewegungen plötzlich leichter fielen“, erzählt sie begeistert.

Ein Blick in den Trainingsraum: Die zumeist über 60-jährigen Teilnehmer sitzen bequem auf einem Stuhl mit Lehne und erzeugen einfachste Kontraktionen der Muskeln, zum Beispiel indem sie die Gesäßmuskeln leicht anspannen und nach einiger Zeit wieder lockern. „Wir nutzen bewusst bestimmte Muskeln und regen so den Stoffwechsel in den entscheidenden Muskelgruppen an“, erklärt die Kursleiterin diesen „Minimalsport“. Das entlastet die Gelenke, und der Stoffwechsel bremst den Verschleiß von Knorpel und Knochen. „Die Übungen tun einfach gut“, betont Renate Klaus. „Ich brauche keine sportlichen Höchstleistungen zu vollbringen. Trotzdem werden die Muskeln so trainiert, dass meine Beschwerden nachlassen.“

Viele Teilnehmer kommen nur wenige Male. Das stört die Kursleiterin gar nicht: „Nach einer Weile kennen sie die Übungen, die ihnen helfen, und integrieren sie in den Alltag.“ Andere wie Renate Klaus kommen dagegen gerne wieder. „Man kann immer ein paar neue Kleinigkeiten dazulernen“, sagt sie, „und Üben macht in der Gemeinschaft mehr Spaß.“ Die Hüftgelenksoperation ist erst einmal vom Tisch. Renate Klaus lacht befreit und sagt: „Ein paar Jahre kann ich wohl noch ohne künstliche Ersatzteile im Körper leben.“

Hüfte-Rücken-Knie-Gang-Schule

Sanfte Bewegungskurse gibt es in mehreren Lichtenberger Stadtteilzentren. Unkostenbeitrag pro Kurs: 5 Euro. Interessenten wenden sich an folgende Nachbarschaftshäuser:

  • Kiezspinne FAS, Schulze-Boysen-Str. 38
  • KULTschule, Sewanstr. 43
  • LIBEZEM, Rhinstr. 9
  • bei entsprechender Nachfrage: Nachbarschaftshaus im Ostseeviertel, Ribnitzer Str. 1 b

Ausführliche Informationen auf

www.hueftprobleme.org