Kiezgeschichten

Lichtenberg ist ein Genuss!

Lichtenberg ist ein Genuss!

Eine köstliche Entdeckungstour östlich des S-Bahn-Rings. Kulinarisch Anspruchsvolles für jeden Geschmack und Geldbeutel – von Eiscafé bis Sterneküche.

HOWOGE SkyKitchen Edeltraud Koppe

Das Auge isst mit. In der SkyKitchen beginnt der Augenschmaus bereits, wenn sich die Aufzugtüren öffnen: Schon schweift der Blick vom zwölften Stock des Andel's Hotels über Berlin. 65 Meter tiefer jagen Straßenbahnen wie Spielzeugzüge über den Asphalt, das Velodrom schimmert wie eine Compact Disc in der Sonne. Auch die Qualität der Speisen liegt über Normalniveau. 2014 bekam Küchenchef Alexander Koppe einen Stern vom Guide Michelin, eine Art „Oscar“ für Gastronomen. Trotzdem bleibt er auf dem Boden. „Wir kochen wie Berlin“, betont Alexander Koppe, „kreativ, frisch und unkompliziert!“ Als Angebot für Einsteiger in die feine Küche serviert die SkyKitchen sonntags ab elf einen „Mittagstisch mit Hausmannskost“: zuerst eine Vorspeise vom Buffet, etwa Schlachteplatte, danach Klassiker à la carte wie Havelländer Spanferkelhaxe. Das Dessert gibt’s wieder vom Büffet, zum Beispiel „Berliner Luft“ und „Kalter Hund“. „Das ist ein bisschen rustikal“, sagt Edeltraud Koppe, „unsere Gäste lieben das.“ Sonntags ist sie hier die Chefin und vertritt ihren Sohn. „Erst kürzlich haben mir Gäste gesagt, sie hätten sich in ihre Kindheit zurückversetzt gefühlt“, erzählt Edeltraud Koppe und lacht herzlich. „Das macht die Kekstorte. Wo gibt’s die heute noch?“

Nachmittags: Torte am Theater

HOWOGE Tortenstück Café Paulines

Wer genießen will, darf eine Zutat nicht vergessen: Zeit. Ines Metze nimmt sie sich und steht jeden Morgen um acht im Café Paulines und backt mit den Kolleginnen mindestens sieben verschiedene Torten. „Es gibt immer etwas Schokoladiges, Käsiges, Fruchtiges, Sahniges und etwas mit Alkohol“, erklärt die Kaffeehausbesitzerin. Begehrt sind die Käsekuchen nach New Yorker oder Philadelphia-Art. „Die Schokoladen-Mohntorte ist ein Rezept von meiner Uroma Rosa“, erzählt Ines Metze. Schon die führte vor rund 100 Jahren eine Konditorei in Schlesien. Ihre Urenkelin hat die Tradition aufgegriffen und kreiert neue Köstlichkeiten wie die Stracciatellatorte mit Preiselbeerfüllung. „Wir denken uns gern Rezepte aus oder wandeln sie ab“, sagt die 41-Jährige. Entscheidend sei die handwerkliche Qualität: „Unsere Kuchen sollen so gut schmecken wie zu Großmutters Zeiten.“

HOWOGE Café Paulines

 Auch die Gäste sollten sich möglichst Zeit nehmen, findet Ines Metze: „Heute geht alles so schnell. Im Paulines soll die Zeit kurz anhalten.“ Schon die klassisch-geradlinige Einrichtung vermittelt das: eine dunkle Tapete mit Ornamenten, schlichte Holzstühle wie aus den 20er-Jahren. Am Wochenende kann man in Ruhe frühstücken: bis 14 Uhr. „Genügend Zeit und eine schöne Atmosphäre ist für mich das Wichtigste bei einem guten Frühstück“, betont die gebürtige Lichtenbergerin. „Dann muss es gar kein Spiegelei sein, dann reicht auch ein leckeres Croissant.“

HOWOGE Blick ins Café Paulines
„Im Café Paulines soll die Zeit kurz anhalten“, sagt Inhaberin Ines Metze.

Zwischendurch ein Sanddorneis

HOWOGE SchokoLaden-Eis-Manufaktur Pralinen

Die SchokoLadenEis-Manufaktur von Steffen Winkel ist schmal, aber das Entscheidende passt hinein: eine italienische Eismaschine. Im Sommer steht der Eiskonditor täglich davor und produziert Eiscreme in bis zu 20 verschiedenen Sorten. „Eis muss man superfrisch genießen“, sagt Steffen Winkel, „das ist das A und O.“ Deshalb kommen alle Süßigkeiten der Manufaktur ohne Konservierungsmittel aus. Winkels Favorit ist das Sanddornsorbet. Den Fruchtsaft holt er persönlich von der Insel Hiddensee. Ab Herbst gibt´s die Winterkollektion: Dann fertigt Steffen Winkel Pralinen, von Hand und in den schönsten Formen: etwa als Igel mit Stacheln aus Schokostreuseln. Und er gibt Kurse für seine Kunden. „Man merkt, wie still die Leute werden, wenn sie vor sich hinarbeiten und die Pralinen in Form bringen“, erzählt Steffen Winkel. Das sei fast wie Meditation: „Man braucht Ruhe und muss in sich gehen.“ 

HOWOGE SchokoLaden-Eis-Manufaktur Stefan Winkel
HOWOGE SchokoLaden-Eis-Manufaktur

Im Leben des Eisdielenbesitzers ging es nicht immer so beschaulich zu. 15 Jahre führte er sein eigenes Café-Restaurant, acht Jahre war er gastronomischer Leiter der Dinnershow „Pomp, Duck & Circumstance“. Als sich die Truppe auflöste, eröffnete er 2010 seine Genussstube in der Kaskelstraße – aus Leidenschaft. Die Menschen in der Victoriastadt sind ihm dankbar. Davon künden Fotos und Filzstiftbilder an der Wand. Die jüngsten Gäste haben ihr Lieblingseis gemalt, auf einem Bild türmen sich acht Kugeln auf einer Waffel. Und auf den Fotos: glückliche Gesichter mit Bärten aus cremigem Eis.

Dinner ohne Decke

HOWOGE Je länger, je lieber - Gericht

Ein guter Wirt weiß, was seine Gäste wollen. Vor allem am Sonntagabend, wenn die Wünsche variieren: Tischgespräch beim Zanderfilet oder „Tatort“ beim Allgäuer Kellerbier? Im Zweifel geht Stefan Albrecht im „Je länger, je lieber“ von Tisch zu Tisch und fragt, ob ein Krimifan böse ist, wenn er den Videobeamer um 20.15 Uhr ausnahmsweise nicht anwirft. „Der Tatort-Sonntag ist ein Selbstläufer“, berichtet Stefan Albrecht, der als Gastgeber auch zwischen Tatort-Fans und Gourmets vermittelt. Kein Problem für den gebürtigen Dresdner, der gleich über seinem Restaurant wohnt. „Der Kaskelkiez ist wie ein Dorf“, sagt Stefan Albrecht: „Man kennt sich und redet immer drei Worte mehr als anderswo.“ Wie zum Beweis radelt in dem Moment eine Frau vorbei und winkt durch die Schaufensterscheibe.

HOWOGE Je länger, je lieber

Das Lokal in der Victoriastadt ist auch in der restlichen Woche gut gefüllt. Das Essen ist gut, die Karte ist kurz, die Zutaten tagesfrisch. „Wir versuchen die Balance zwischen Kneipe und Restaurant hinzubekommen“, erklärt Stefan Albrecht. Das Gastronomenteam betreibt tagsüber auch das Restaurant „Frau Buschvitz“ in der Pfarrstraße und im Sommer das „Café im Schilf“ auf dem Spielplatz hinterm Haus. „Wir sind ständig mit Essenskörben zwischen den Läden unterwegs“, sagt Stefan Albrecht und lacht. Wohl auch deshalb grüßen ihn so viele Nachbarn. Ein guter Wirt kennt eben seine Gäste.

HOWOGE Je länger, je lieber Stefan Albrecht
Das „Je länger, je lieber“ haben Stefan Albrecht und seine Partner selbst saniert
52°31'41.056" N 13°27'25.65" O

SkyKitchen

Fennpfuhl

Himmlische Sternenküche:
Sonntags vertritt Edeltraut Koppe (Foto) ihren Sohn Alexander. Der ist hier der Chef und interpretiert die Berliner Küche so köstlich, dass er dafür 2014  einen Michelin-Stern bekam. Sonntags Mittagstisch. Frühzeitig reservieren!

Andel’s Hotel
Landsberger Allee 106,
(030) 45 30 53 26 20,
www.skykitchen.berlin

Öffnungszeiten:
Di - Sa 18-23 Uhr
Mittagstisch
So 11-15 Uhr

Café Paulines

Karlshorst

Torten mit Tradition
Berühmt für das üppige Wochenendfrühstück von 10 bis 14 Uhr sowie köstliche Kuchen wie etwa Urgroßmutters schlesische Schoko-Mohn-Torte.

Ehrenfelsstr. 4,
(030) 77 90 85 30
www.cafe-paulines.de

Öffnungszeiten:
Di - Fr 12-18 Uhr
Sa/So 10-18 Uhr

Tipp

Kalorienfreie Entspannungsangebote auf: www.howoge.de/entspannung

SchokoLaden-Eis-Manufaktur

Victoriastadt

Eiscreme und Pralinen
Seit „Pomp, Duck & Circumstance“ ist Steffen Winkel Spezialist für Schokolade, Sorbets und Eiscreme. Heute begeistert er mit seiner Kunst den Kaskelkiez.

Kaskelstr. 15,
(030) 743 937 21

Öffnungszeiten:
Mo - So 12-19 Uhr

Je länger, je lieber

Victoriastadt

Gutes Essen ohne Tischtuch
Hausmannskost auf hohem Niveau. Leckeres Essen auf blanken Holztischen. Sonntags läuft „Tatort“. Von April bis September „Café im Schilf“ hinterm Haus.

Kaskelstr. 49,
(030) 55 57 60 67
www.jelängerjelieber.de

Öffnungszeiten:
täglich ab 17 Uhr