Kiezgeschichten

Interview mit Pfilipp Herder

Ein Turner träumt von Olympia

Der Turner Philipp Herder bereitet sich auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor.

mieteinander: Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro: Was bedeutet Ihnen eine mögliche Teilnahme?

Philipp Herder: Olympia, das wäre für mich das Größte! Es ist der Höhepunkt einer jeden Sportlerkarriere.

Wie bereiten Sie sich auf diese Herausforderung vor?

Philipp Herder: Lernen kann ich wohl nichts mehr (lacht). Jetzt geht es im Training nur noch um Feinheiten. Am Ende muss man einfach die Nerven behalten. Ich bin jetzt für die vorolympischen Spiele nominiert. Deshalb stehen noch weitere Wettkämpfe an. Letztlich geht es darum, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

Wie gehen Sie an einen Wettkampf heran?

Philipp Herder: Ich gehe alle Elemente noch mal im Kopf durch. Und überlege, wo ich einen Fehler machen könnte, was ich beachten muss. Natürlich bin ich nervös. Das ist wie vor einer Prüfung. Aber letztlich muss ich mich einfach nur auf die Übung konzentrieren. Das versuche ich mir zumindest immer zu sagen: dass ich das alles kann und es nur noch abrufen muss. Selbst wenn es schief geht, darf man sich davon nicht nervös machen lassen.

Gewinnen ist also Kopfsache?

Philipp Herder: Ja, genau. Ich gehe einfach in mich, und ansonsten beruhigt mich mein Trainer Sebastian Faust. Er sagt: „Mach einfach einen guten Wettkampf und vergiss nicht, Spaß zu haben!“

Wie sind Sie zum Turnen gekommen?

Philipp Herder: Ich habe in der ersten Klasse angefangen. Das war schon relativ spät. Viele fangen mit vier, einige sogar mit zwei Jahren an. Ich wuchs in Marzahn-Hellersdorf auf. An der Wilhelm-Busch-Grundschule tauchten Sichtungstrainer vom SC Berlin auf und haben beim Schulsport Talente gesucht. Ich weiß noch, dass mich Hartmut Ahnert fragte, ob ich denn Lust hätte, zu einem Schnuppertraining vorbeizukommen. Das tat ich dann. Mir hat der Sport wirklich Spaß gemacht. Also bin ich dabei geblieben. Am Anfang war alles sehr spielerisch. Obwohl ich schnell Wettkämpfe geturnt habe. Da ging es aber um nichts, das war alles nur für mich selbst.

Was hat Ihnen besonders Spaß gemacht?

Philipp Herder: Das war die Gemeinschaft im Verein. Und es hat mir Spaß gemacht, immer wieder Neues zu lernen. Als ich das erste Mal einen Kopfstand gemacht habe, das war für mich als kleines Kind natürlich ein tolles Erlebnis. Dann wechselte ich auf die Werner-Seelenbinder-Schule, das ist das heutige Schul- und Leistungssportzentrum im Sportforum Hohenschönhausen. Da ging es dann richtig los mit dem Leistungssport. Jeden Tag Training, morgens und abends. Auch samstags.

Wie hat sich für Sie das Leben mit dem Leistungssport verändert?

Philipp Herder: Es war eine echte Umstellung. Andere Kinder gingen nach der Schule nach Hause, ich ging zum Training. Aber ich wollte das ja und es gab Menschen – meine Familie und das Team – die Durststrecken mit mir durchstanden. Nach meinem Abitur 2013 war die Überlegung da, eine Ausbildung zu machen oder ein Studium zu beginnen. Und den Sport hintenanzustellen. Ich entschied mich für beides. Deshalb studiere ich noch Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Wie wichtig sind Ihnen Auszeiten?

Philipp Herder: Nach Wettkämpfen oder Trainingslagern bin ich wirklich froh, wieder zu Hause zu sein. Dann nutze ich die Gelegenheit, abzuschalten und den Stress loszuwerden. Es ist schön, meine Freundin wieder zu sehen. Und ich jogge dann auch mal gern um den Orankesee oder den Faulen See. Während der Wettkämpfe bin ich die ganze Zeit unter Hochspannung. Gerade wenn es wirklich um etwas geht, wie jetzt vor den Olympischen Spielen. Ich will ja unser Team unterstützen. Aber manchmal bin ich auch froh, den Alltag wieder selbst gestalten zu können.

Und worauf können Sie in Ihrer Freizeit am wenigsten verzichten?

Philipp Herder: Auf Nuss-Nugat-Creme (lacht), die gibt es jeden Morgen zum Frühstück! Es geht einfach nicht ohne. Ich wurde auch schon mal vom Bundestrainer darauf angesprochen. Er legt mir natürlich ein gesünderes Frühstück nahe. Aber ich brauche das für mich. Darüber hinaus versuche ich, möglichst ausgewogen zu essen. Aber man muss ja ab und zu noch leben. Deshalb freue ich mich schon auf die Grillzeit!

Lesen Sie auch die den Beitrag über Philipp Herder aus der mieteinander 2/2016.

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Zur Person

Philipp Herder wurde 1992 in Berlin geboren und ist Mitglied im B-Kader der Nationalmannschaft. Mit sieben Jahren begann seine Sportkarriere im SC Berlin. Er ist Mitglied in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und studiert Physik. Seine größten Erfolge: der 9. Platz mit der Nationalmannschaft bei der WM in Großbritannien 2015 und der 8. Platz bei der WM in China 2014.

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