Kiezgeschichten

Hochsaison für warme Socken

Hochsaison für warme Socken

Die „Strickmädels“ verbinden das Angenehme mit dem Wohltätigen: Sie fertigen warme Sachen für Bedürftige.

Im Kieztreff West, direkt am S-Bahnhof Ahrensfelde, sitzen 14 Damen um einen langen Tisch voller Wollknäuel und plaudern angeregt, ohne sich ein einziges Mal in die Augen zu sehen. Alle Blicke ruhen auf den Händen, die rasend schnell Masche um Masche zaubern. Dienstagnachmittag: Die Strickmädels sind am Werk! Ein gutes Dutzend Frauen zwischen 52 und 80 Jahren treffen sich hier jede Woche, um zu stricken – aber nicht einfach so. „Wir wollen etwas Sinnvolles machen“, betont Evelin Kühnel (65), die alle Fäden zusammenhält. „Überall, wo wir unterstützen können, wollen wir das tun.“ „Stricken für den guten Zweck“ lautet das Motto der Gruppe, die 2011 in Hohenschönhausen zusammenkam. Erster Abnehmer war die Berliner Stadtmission. In deren Notunterkünften wärmen sich Obdachlose im Winter auf, bekommen dort zu essen – und bei Bedarf Mütze, Schal und warme Strümpfe. „Da sind auch richtig große XXL-Pullover für Männer dabei, die beim Stricken viel Zeit kosten“, sagt Kühnel und Sillächelt. Aber auch Krankenhäuser, Bahnhofsmissionen und die Berliner Tafel bestellen bei den Strickmädels.

Der Herbst ist Hochsaison für die fleißigen Damen, aber auch im Frühjahr geht ihnen die Arbeit nicht aus. „Ich telefoniere viel rum und frage nach, wie wir helfen könnten“, berichtet Evelin Kühnel. Für die Geburtsstationen der Sana-Kliniken stricken die Mädels Pucksäckchen, in denen zu früh geborene Säuglinge warm gehalten werden. Für ihre fleißige Arbeit verlangen die Strickerinnen keinen Cent. Erlöse und Spenden fließen komplett in neue Wolle, Knöpfe und Füllmaterialien. Dank einer Geschäftsauflösung sind die Strickmädels derzeit gut ausgestattet: 30 Kartons Wolle lagern im Kieztreff. Trotzdem betont Evelin Kühnel: „Wir freuen uns immer über Wollspenden.“ Vor allem strapazierfähige Sockenwolle fehlt – warme Strümpfe sind in Einrichtungen für Obdachlose besonders gefragt.

Die meiste Arbeit leistet jedes Strickmädel alleine bei sich zu Hause. Trotzdem fiebern sie alle auf das gemeinsame Stricken am Dienstag hin. „Jeder hat so seine eigene Masche bei der Wahl von Farben und Mustern“, erzählt Eveline Lange (77). „Da muss man bloß zugucken und lernt jedes Mal etwas Neues.“ Gerade tauscht sie sich mit Uschi Schwedler (70) über Web-Videos aus, in denen Stricktechniken Schritt für Schritt erklärt werden. Handarbeit ist ihre gemeinsame Leidenschaft – umso besser, wenn sie einer guten Sache dient! „Es ist schön, dass ich da so einfach mithelfen kann“, sagt Uschi Schwedler. „Wenn ich zu Hause vorm Fernseher sitze, kann ich ja nebenbei was stricken. Das macht keinen großen Unterschied. Mich sieht man sowieso nur mit Strickzeug – sogar im Bus oder in der Straßenbahn.“

Die Strickmädels aus Hohenschönhausen
geben Tipps zum Sockenstricken

  1. Die Nadelstärke und die Wolle müssen passen ( Angaben finden Sie auf der Banderole)
  2. Bambusnadeln rutschen nicht so schnell aus der Arbeit (Nadelspiel)
  3. Beim „ersten Mal“ ist es hilfreich, wenn man einfarbiges und etwas dickeres Garn verwendet. So lässt sich der Verlauf der Reihen besser sehen.
  4. Die angeschlagene Maschenzahl muss durch 4 teilbar sein (z. B. bei 4-fädigem Sockengarn werden 60 Maschen angeschlagen - ergibt eine Schuhgröße von 36/37).
  5. Für den Sockenschaft sollte man möglichst ein Rippenmuster oder Zopfmuster verwenden. Dadurch erreicht man, dass sich die Socken fest an dem Fuß anpassen. Das Muster sollte sich auf dem Spann bis fast zur Spitze fortsetzen.
  6. Damit der Strumpf nicht so schnell rutscht, strickt man im Rippenmuster die rechte Masche von hinten ab.
  7. Bei marmoriertem Garn muss man auf einen gleichmäßigen Farbverlauf achten. Es muss also bei dem zweiten Socken so lange Wolle abgewickelt werden, bis beim Anfang die gleiche Farbe beginnt, wie beim zuerst gestrickten. Sonst passen die Socken trotz gleichem Garn nicht zueinander.
  8. Sollte eine oder mehrere Maschen ein paar Reihen „runtergefallen sein“, lassen sie sich mit einem Häkelhaken wieder hochhäkeln. Es muss also nicht gleich getrennt werden.
  9. Für absolute Strickanfänger (4+1 Nadel) eignen sich Spiralsocken. Diese haben keine Ferse und passen trotzdem.

Viel Spaß!

Stricken für einen guten Zweck

Die Strickmädels freuen sich über Wollspenden und über neue Mitstrickerinnen – einfach beim nächsten Treffen vorbeikommen.

Dienstags, 13 Uhr, Kiez-Treff West, Ahrensfelder Chaussee 148.
Auskünfte bei Evelin Kühnel unter
kuehnel-evelin@remove-this.web.de oder
(030) 43 07 34 33.

Geschenkidee: Kuschel-Maulwurf „Ben Buddel“, erhältlich auf www.benbuddel.de/ben-buddel-shop (25 Euro plus Versand). 15 Euro fließen in Stricksachen für Bedürftige.

Maulwurf-Puppe aus Wolle

Maulwurf-Puppe Ben Buddel

Die Strickmädels häkeln auch gerne, zum Beispiel die Maulwurf-Puppe Ben Buddel aus Zingst – ein ideales Kuscheltier für Kinder und Enkel. Der Kaufpreis von 25 Euro (ohne Versandkosten) geht als Spende an die Strickmädels. Erhältlich unter http://benbuddel.de/ben-buddel-shop