Kiezgeschichten

Gemeinschaftsgärten in Lichtenberg
Sep 2016

Bitte ein Beet:
Gemeinschaftsgärten in Lichtenberg

Viele Berliner suchen auf kleinen und großen Gartenparzellen die Gesellschaft von Gleichgesinnten. Es gibt immer mehr Initiativen, die Gemeinschaftsbeete anlegen, säen, anpflanzen und ernten. Nicht selten machen sie sich auch daran, das kiloweise anfallende Gemüse im Team zu verarbeiten und es sich bei gemeinsamen Festessen schmecken zu lassen. Wer die regelmäßige Gartenarbeit eher scheut, kann sein Ernteglück in Naschgärten versuchen. Die öffentlichen Gärten Lichtenbergs im Überblick.

Yoga, Kräuter und Tomaten

Offen für jedermann ist der Nachbarschaftsgarten in der Wiecker Straße. Auf der Fläche einer ehemaligen Kindertagesstätte bewirtschaften die Anwohner fast zwei Dutzend Beete. Wer kein Beet ergattert, kann beim Yoga im Garten mitmachen oder bei einem der Aktionstage vorbeischauen. „Unsere Grundschüler der 1. Klassen lernen hier das Einmaleins des Gärtnerns“, sagt der Leiter der Gemeinschaftsschule Grüner Campus Malchow, Tobias Barthl. Die Schüler pflanzen vor allem Kräuter und Tomaten. Begeisterung für die Natur weckt die Schule aber auch bei älteren Schülern. Auf dem ehemaligen Gelände der Gartenarbeitsschule Hohenschönhausen an der Doberaner Straße 58 betreibt sogar eine kleine Schülerfirma Landwirtschaft. Dieser Garten ist jedoch nicht öffentlich zugänglich.

Garteninitiative Wiecker Straße, Wiecker Str. 8-10, 13051 Berlin, www.garteninitiative.sozdia.de 

Dabeisein ist alles

Doch auch die erwachsenen Hobbygärtner suchen nach Möglichkeiten, ihren grünen Daumen zu erproben. Eine feste Institution fürs nachbarschaftliche Gärtnern ist seit mehr als zehn Jahren der Interkulturelle Garten in der Liebenwalder Straße. Hier teilen sich mehr als 50 Menschen unterschiedlichster Nationalitäten die Beete, dazu mehrere Kitas und Schulen. Neu sind die Hochbeete, die Rollstuhlfahrern barrierefreies Gärtnern ermöglichen. Der Interkulturelle Garten ist so ein echter Begegnungs- und Lernort: Mit der Umweltkontaktstelle der Stiftung SozDia gibt es neben Ansprechpartnern für die wichtigsten gärtnerischen Fragen auch Angebote zum Mitmachen wie etwa das internationale Gartencafé oder das Repaircafé. In letzterem treffen sich Bastler, um Gebrauchsgegenstände zu reparieren. Das macht Spaß und schont wertvolle Rohstoffe!

Interkulturelle Garten, Liebenwalder Str. 12-18, 13055 Berlin, www.interkulturellergarten.de

 

 

Mein Patenkind: der Apfelbaum

Zum Wiederentdecken von alten Apfelsorten wie den Rheinischen Bohnapfel lädt der Verein Naturschutz Berlin-Malchow auf den Streuobstflächen im Naturschutzgebiet ein. Schon vor 100 Jahren waren auf den Falkenberger Rieselfeldern Apfelbäume zu finden. An diese Tradition knüpft der Verein an und vergibt „Baumpatenschaften“ mit einer Laufzeit von zehn Jahren: In gemeinsamen Ernteaktionen werden die naturbelassenen Äpfel gemeinsam von den Paten und Vereinsmitgliedern aufgelesen. Die Paten können einen Teil der Ernte einbehalten. „Bisher haben wir 50 Paten gewonnen“, sagt die Vereinsvorsitzende Beate Kitzmann. Weitere Helfer sind willkommen. Wer den guten Geschmack dieser Äpfel vor Übernahme einer Patenschaft kosten will, kann dies jederzeit tun: Der Hofladen in der Naturschutzstation Malchow in der Dorfstraße 35 bietet sie als Tafeläpfel oder als Saft auch zum Verkauf an.

Naturschutz Berlin-Malchow e.V., Dorfstr. 35, 13051 Berlin, www.naturschutzstation-malchow.de

Ökogemüse aus dem Lehmhaus

Eine ähnlich naturnahe Bewirtschaftung gibt es in den beiden Ökogärten des Fördervereins Landschaftspark Nordost, wo Dutzende Sorten Kartoffeln oder Erdbeeren angebaut werden. „Nicht nur der streng ökologische Anbau, sondern vor allem der Spaß am Gärtnern steht bei uns im Vordergrund“, sagt der Vereinsvorsitzende Bernd Lichtenstein. Vor fünf Jahren reaktivierte der Verein zusammen mit Bürgern eine alte Ackerbrache am Stegeweg in Falkenberg. „Wir greifen bei der Bewirtschaftung auch auf eigenes Saatgut zurück“, erklärt Lichtenstein. Projekte mit Kitas und Schulen zeigen, wie ökologisch bewusstes Gärtnern funktioniert: mittels bodenschonender Methoden und ganz ohne chemischen Pflanzenschutz. Die Erträge aus Öko- und Kräutergärten werden in der Dorfkate Falkenberg zum Verkauf angeboten. Gleich in der Nähe gibt es zudem einen Naschgarten. Hier wachsen Kräuter wie Thymian oder Salbei, die gern gepflückt werden dürfen.

Förderverein Landschaftspark Nordost e.V.: Ökogarten, Stegeweg, 13057 Berlin-Falkenberg und Dorfkate Falkenberg, Dorfstr. 4/4A, 13057 Berlin, www.dorfkate-falkenberg-berlin.de

Von der Hand in den Mund

Überhaupt findet die Idee der Naschgärten mehr und mehr Anhänger. Immer öfter gehen Städte dazu über, in Parkanlagen auch essbare Pflanzen und Obstbäume anzulegen. Einen solchen Naschgarten hat das Bezirksamt Lichtenberg in Friedrichsfelde geschaffen. Kundige Spaziergänger können auf der Fläche des ehemaligen Schulgartens am Grünzug Hönower Weg Haselnüsse, Birnenquitten, Äpfel und Pflaumen ernten.

Naschgarten „Essbare Stadt“, Grünzug Hönower Weg, in der Dolgenseestraße hinter dem Haus mit der Nummer 28 

Auch interessant

Äcker zum Mieten: eine gute Möglichkeit für Großstädter, selbst Gemüse anzubauen. Tipps und Beistand vom Bauer inklusive.

Gartenglück für Großstädter