Kiezgeschichten

Ein großes Herz für alle

Ein großes Herz für alle

Tobias Kliemchen hilft im Jugendzentrum Soziale Herzen in Alt-Friedrichsfelde. Als ehemaliger Besucher weiß er ganz genau, dass sich dieser Einsatz lohnt.

Nach einer halben Stunde „FIFA Football“ ist Pause, dann müssen die beiden Jungs das Sofa räumen und die Spielkonsole an die nächsten Besucher weiterreichen – da lässt Tobias Kliemchen nicht mit sich verhandeln. Zu leicht entbrennt sonst ein Streit darüber, wer im Kinder- und Jugendzentrum in Alt-Friedrichsfelde als Nächster an die Playstation darf. Der 18-Jährige weiß, wie es läuft: Mit 13 Jahren war er zum ersten Mal als Gast hier. Ein Kumpel hat ihn mitgenommen. Seitdem kam Tobias beinahe jeden Nachmittag. „Ich finde es total nett hier“, sagt er.

Ich mache die Arbeit im Jugendzentrum wirklich gern. Dafür brauche ich keine Gegenleistung.

Als Erwachsener ist Tobias Kliemchen immer noch dabei, obwohl für ihn der Ernst des Lebens begonnen hat. Seit September läuft seine Ausbildung zum Mechatroniker. Morgens um halb sieben beginnt die Arbeit im S-Bahn-Werk Schöneweide. An zwei Nachmittagen hat Tobias Fußballtraining beim BSC Marzahn, und Fahrschule ist ja auch noch. Trotzdem geht er an mindestens zwei Tagen ins Jugendzentrum: Er hilft bei den Hausaufgaben, schenkt Getränke aus oder zimmert etwas mit Peter Juling, dem Leiter des Jugendzentrums und Vorsitzenden des Trägervereins Soziale Herzen. „Die Garderobe haben wir selbst gebaut“, sagt Tobias und zeigt stolz auf eine Stange, an der ordentlich aufgereiht zwei neongelb leuchtende Skateboards hängen. Auch das Terrassengeländer haben die Kinder in Eigenregie mit Brettern verkleidet, „damit der Ball beim Hockeyspielen nicht immer auf die Straße kullert“, wie Tobias erklärt. Für Peter Juling ist damit ein wichtiges Ziel seines Vereins erfüllt. „Die Kinder sollen von Anfang an Verantwortung übernehmen“, betont der 56-Jährige. 2008 hat er mit Liane Bergmann die Sozialen Herzen gegründet. „Wir wollten den Bedürftigen hier im Kiez helfen und der Jugend eine Perspektive bieten“, so Peter Juling. „Die Kinder sollen gemeinsam aufwachsen und lernen, sich gegenseitig zu respektieren.“ Die meisten Gäste kommen aus der Nachbarschaft: aus Alt-Friedrichsfelde und aus den Häusern an der Frankfurter Allee. In der ehemaligen Bar „Brauerei Fanshop“ können sie ihre Freunde treffen, Hausaufgaben machen – und natürlich spielen. Es gibt eine Playstation, einen Kicker und einen Billardtisch. In den Regalen stapeln sich Bücher, Brettspiele und Puzzles. Die HOWOGE unterstützt den Verein. Dazu kommen Spenden aus der Nachbarschaft. Ein Bäcker stiftet Schrippen und Gebäck. Neben dem Jugendzentrum organisieren die 24 Vereinsmitglieder drei Kleiderstuben. Dort erhalten Menschen mit kleinem Einkommen Bekleidung, Bettwäsche, Geschirr, Elektrogeräte und Backwaren – gegen eine symbolische Spende. Liane Bergmann nimmt mit ihren fünf Kolleginnen die Sachspenden entgegen und sortiert sie nach Größen und Bedarf. „Die Leute sind sehr dankbar, dass wir das hier ehrenamtlich machen“, erzählt die 55-Jährige. „Bei uns finden sie vieles, was sie dringend brauchen, aber sich nicht leisten können. Oder sie kommen nur so vorbei, um eine Tasse Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten.“ Wie viele gemeinnützige Vereine könnten auch die Sozialen Herzen mehr Helfer gebrauchen. Zum Glück hat der Verein mit Tobias Kliemchen ein engagiertes Mitglied dazugewonnen. „Ich mache das wirklich gern“, erklärt Tobias. „Für mich ist das wie Freizeit. Dafür brauche ich keine Gegenleistung.“ Er hilft gern dabei, das tolle Angebot am Laufen zu halten. Vor allem den Freitagmittag hält sich der Auszubildende frei. Dann kommen bis zu 30 Kinder ins Jugendzentrum, um gemeinsam zu kochen. „Wir können unsere Tafel auf acht Meter ausziehen“, sagt Peter Juling. „Wenn dann alle Kinder um den langen Tisch sitzen, ruhig und zufrieden zusammen essen, dann denke ich mir: Jetzt hast du alles richtig gemacht.“

Soziale Herzen: „Herz statt Kommerz“

Die Sozialen Herzen sind der Nachfolgeverein von „Lichtenberg hilft“. Begonnen hat es 2008 mit der Begegnungsstätte und der Kleiderstube in der Albert-Hößler-Str. 10. Das Jugendzentrum öffnete 2010. In den vier Kleiderstuben der Soziale Herzen gibt es nicht nur Kleidung, sondern auch Haushaltswaren, Bücher, Spielzeug sowie täglich frische Backwaren. Die Waren werden kostenlos gegen eine symbolische Spende abgegeben. Geld- und Sachspenden sind stets willkommen.

Spenden-Informationen unter
(030) 34 34 99 86 oder
soziale-herzen@remove-this.sozialeherzen.de

Kinder- und Jugendzentrum,
Alt-Friedrichsfelde 112,
Mo–Fr 14–19 Uhr
Kleiderstuben, Mo–Fr 10–17 Uhr,
Albert-Hößler-Str. 10,
Wönnichstr. 49 und
Alt-Friedrichsfelde 9a

www.sozialeherzen.de

Weihnachtliches Grillfest

Das Jugendzentrum von Soziale Herzen lädt alle Nachbarn herzlich zum Weihnachtsgrillen am 23.12. ein. „So eine Bratwurst schmeckt doch gleich noch besser, wenn es draußen richtig kalt ist“, sagt Peter Juling. 23. Dezember, 14–19 Uhr, Alt-Friedrichsfelde 112