Kiezgeschichten

Blaues Band in der Berliner Luft

Blaues Band in der Berliner Luft

Im Frühjahr erwacht selbst ein Friedhof zu neuem Leben. Ein entspannter Spaziergang durchs blühende Lichtenberg.

Er ist's! Aber wer? Der Frühling natürlich! „Er ist's!“, so heißt das wohl bekannteste deutsche Gedicht, das den Frühling besingt. Geschrieben hat es Eduard Mörike: „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.“

Ich streife erwartungsvoll durch die Stadt, unterwegs für die rbb-Sendung „Heimatjournal“, um Neues zu entdecken. Neulich führte mich mein Streifzug rund um den Alten Friedrichsfelder Friedhof. Okay, der ist altbekannt, aber im Frühjahr erwacht selbst ein Friedhof zu neuem Leben. Dann gleicht die „Startrampe ins Paradies“ einem Park – ideal für besinnliche Spaziergänge. Vorbei an bekannten, in Stein gehauenen Namen wie Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Steffie Spira oder Karl Liebknecht. Auch die Inschriften anderer Gräber erzählen manchmal höchst interessante Familiengeschichten.

Östlich vom Zentralfriedhof blüht es in den Kleingärten und es wehen „wohlbekannte Düfte“ vom Angrillen über die Parzellen, auf denen hemdsärmelige Hobbygärtner ihre Lauben fit für den Frühling machen. Das ist Entspannung und Erholung in der Großstadt!

Wer sie nicht auf dem eigenen Stück Grün finden kann, dem stehen in der Nähe große Gartenflächen zur Verfügung: Nördlich des Friedhofs erstreckt sich das Gelände der früheren VEB-Großgärtnerei, die einst die halbe Republik mit Schnittblumen versorgte. Von 20 Hallen sind zwei geblieben, der Rest des Geländes entwickelt sich gerade zu einem Landschaftspark rund um das Krankenhausensemble Herzberge. Ein Terrain zum Entdecken.

Eine andere Art Frühlingserwachen erfährt das Gewerbegebiet zwischen Rhinstraße und Landsberger Allee: Möbelhäuser und Heimwerkermärkte können wir in Berlin ja nicht genug haben. Bagger wühlen sich durch die Erde, Beton wächst in die Höhe: für neue Märkte. Und am Horizont ragt still der Rest der VEB-Elektrokohle in den Himmel. Da also auch im Frühling kein Zeichen des Aufbruchs und kein Abbruch der Industrieruine.

Über die Siegfriedstraße zieht es mich vorbei am BVG-Straßenbahndepot nach Süden in den Weitlingkiez und das Quartier am Ostkreuz. Die Menschen dort nutzen jede Gelegenheit, vor den Cafés draußen zu sitzen, auch bei noch empfindlich niedrigen Temperaturen.

Egal, er ist's! Der Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Berliner Luft. Die Stadt ist wieder hell und wach, hungert nach Licht und genießt in vollen Zügen. Tun Sie es auch!

ZELLES ZEILEN

„Es blüht in den Kleingärten. Die Hobbygärtner machen ihre Lauben fit für den Frühling. Das ist Entspannung und Erholung in der Großstadt!“

ZELLES Tipp...

...zum draußen genießen

„Nadia + Kosta“, ein algerisch-griechisches Paar serviert köstliche Brötchen, Bagel und Brownies auf Vintage- Geschirr.

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