Kiezgeschichten

Besser wohnen ohne Hürden

Besser Wohnen ohne Hürden

Die HOWOGE macht ihre Wohnungen fit für die alternde Gesellschaft. Wie’s geht, zeigen Besuche in einer Karlshorster Senioren-WG und im Quartierszentrum „Am Tierpark“.

Diese Wohngemeinschaft ist anders, das erkennt man schon an der Dekoration. Im Flur hängt ein historisches Haarschneidegerät an der Wand. Von der Deckebaumeln Dokumente, darunter ein Schulzeugnis von 1920. „Die Alltagsgegenstände erinnern die Menschen an früher“, erklärt Andreas Gwiasda (53) diese kleine Ausstellung. Der Altenpfleger leitet das Team der Demenz-WG in den Treskow-Höfen für die A & S Nachbarschaftspflege. Anregungen für das Gedächtnis gehören in der WG dazu. Alle Mieter haben Demenz. „Sogar wichtige Alltagsdinge verschwinden aus ihrem Kopf“, erklärt Gwiasda die Krankheit. „Oft vergessen sie zu trinken.“ 13 Pflegekräfte betreuen die derzeit neun Mieter.

Käte Rein ist im Mai eingezogen – mit 86, auch sie leidet an Demenz. „Im letzten Jahr hatte ich auch noch einen Schlaganfall“, sagt sie. „Allein zu leben, das ging einfach nicht mehr.“ Ihre berufstätigen Töchter konnten die Mutter nicht mehr dauerhaft versorgen. „Ich habe schon lange überlegt: Soll ich es machen?“, sagt Käte Rein. „Aber nun gefällt mir die WG gut. Man muss sich Mühe geben miteinander, aber wenn das jeder macht, dann gelingt es auch.“ In den Treskow-Höfen waren von Anfang an Senioren-WGs mit eingeplant. „Das merkt man an der guten Ausstattung der Bäder“, sagt Andreas Gwiasda. „Das ist nicht nur für die Mieter komfortabel, auch den Pflegekräften fällt die Arbeit leichter. So bleibt mehr Zeit für persönliche Gespräche – die Kommunikation ist das A und O in der Altenpflege."

Auch Silke Fritsch weiß, wie wertvoll ein persönliches Gespräch ist. Seit Dezember berät die Sozialkoordinatorin mit ihren Kolleginnen ältere Menschen kostenfrei im Quartierszentrum „Am Tierpark“, am Telefon und auf Wunsch auch bei einem Hausbesuch. Das Zentrum ist auf Initiative der HOWOGE entstanden. Betreiber ist die gemeinnützige Biloba GmbH. „Oft ist die Überraschung groß, wie viele Möglichkeiten es gibt, das Leben im Alter etwas leichter zu machen“, sagt Silke Fritsch. Zum Beispiel im Badezimmer: Wer nicht mehr so leicht in die Wanne kommt, muss nicht gleich einen Pfleger engagieren. Schon ein Badewannen-Lift erleichtert den Einstieg. Zudem empfiehlt das Team Pflegedienste, die Einkauf und Wohnungsputz übernehmen. „Wir helfen den Mietern unter anderem auch dabei, staatliche Unterstützungsleistungen für sich oder für Angehörige zu beantragen“, erklärt Silke Fritsch. Bewährt sich das Angebot, sollen auch in anderen Kiezen Quartierszentren entstehen.

Bis 2030 wird sich die Zahl der über 80-jährigen Berliner nahezu verdoppeln. Deshalb schafft die HOWOGE „altersfreundliche Quartiere“.

Das Quartierszentrum ist Teil eines Pilotprojekts der HOWOGE. Das Unternehmen macht sich fit für die Zukunft: Bis 2030 wird sich die Zahl der über 80-jährigen Berliner nahezu verdoppeln. Deshalb entsteht in Friedrichsfelde-Süd derzeit ein „altersfreundliches Quartier“. Wohnungen und Serviceleistungen werden so ausgebaut, dass alle Mieter möglichst lange und eigenständig in den eigenen vier Wänden leben können. 2000 Wohnungen sind bereits barrierefrei erreichbar. In der Mellenseestraße wurde ein ganzes Haus altersfreundlich saniert: Fast alle Wohnungen sind schwellenfrei und haben bodengleiche Duschen. Sicherheitsbeleuchtung erleichtert die Orientierung. Ein Concierge-Dienst hat immer ein Ohr für alle Anliegen der Mieter. In Gemeinschaftsräumen treffen sich die Nachbarn zu Spielenachmittagen. Aber auch Eltern mit Kinderwagen wissen eine Rampe zu schätzen. Ziel ist es, in jedem Stadtteil die Generationen zu mischen – wie in den Treskow-Höfen: Unter der WG von Käte Rein zieht eine Kita ein. „Wir haben schon eine Zusammenarbeit vereinbart“, sagt Andreas Gwiasda: „Jung und Alt animieren sich hervorragend!“

Käte Rein
Gemeinsames Kochen und Backen macht Freude – und hält geistig fit

Quartierszentrum "Am Tierpark"

Das Pilotprojekt gibt es bisher nur in Friedrichsfelde-Süd. Im Quartierszentrum erhalten Mieter unentgeltlich Auskünfte zu Pflege und sozialer Hilfe im Alter.

Erich-Kurz-Str. 7,
Mo/Fr 9–12 Uhr, Mi 14–18 Uhr,
tägl. 9–16 Uhr unter (030) 51 06 11 26,
quartierszentrum-lichtenberg@remove-this.biloba-pflege.de

Mellenseestraße

Das HOWOGE-Haus in der Mellenseestraße 39–41 ermöglicht „altersfreundliches Wohnen“ im Grünen. 83 Wohnungen mit Balkon und bodengleichen Duschen wurden umfassend saniert. Einige wenige sind noch frei. Zudem bietet eine Senioren-Wohngemeinschaft elf Plätze. Weitere Vorteile sind die Sicherheitsbeleuchtung zur besseren Orientierung im Haus und Gemeinschaftsräume, die für private Feiern genutzt werden können.

Vermietungs-Hotline (0800) 5464 3280 oder melle@remove-this.howoge.de